Beweggründe und Plädoyer für die Kunst

Die Kunst kam ins Spiel, weil Herr Gratze genug von Werbung hatte, die den Käufer permanent unterfordert. Werbung soll inspirieren und herausfordern, statt zu unterfordern und zu provozieren. Mit seiner Verpackungsidee wollte Gratze den Beweis antreten, dass Werbung sehr charmant und raffiniert ins Auge fallen kann. Er wollte eine Verpackung, die durch Anspruch, Geist und Humor überzeugt.

Tatsächlich ist es leider so, dass man das Niveau der Werbung nicht an der oberen Grenze ausrichtet, sondern der Massenwirkung wegen, auch noch die sogenannte D-Klasse ansprechend zu erreichen sucht. Es sei dahin gestellt, ob es diese D-Klasse in der angenommenen Form tatsächlich gibt, festzustellen bleibt, dass Gratze ganz klar eine andere Zielsetzung verfolgte. Er wollte beweisen, dass es sehr wohl Konsumenten gibt, die „mehr“ sehen wollen und höhere Ansprüche stellen, als dies oft prognostiziert wird.

So begann er die Werbung subversiv zu unterlaufen und den „Mehrwert“ von Kunst in die Werbung einfließen zu lassen. Das Ziel war und ist die Wahrnehmung zu schulen und zu erweitern. Analog zu der Beweisführung durch die Schokolade, dass der Geschmackshorizont permanent erweiterbar ist.

Das Ziel ist auch Kunst im täglichen Leben wirksam zu machen. Kunst besitzt sehr viel Potenzial, dass man nicht in Galerien und Kunsträumen sicher wegsperren muss. Es geht darum, Kunst als Medium zu verstehen und Kunst sprechen zu lassen.

Letztendlich geht es beim Design auch um die Schaffung einer adäquaten Verpackung, die nicht viel mehr oder viel weniger verspricht als der Inhalt zu bieten hat. Und dazu sollte die Verpackung auch nicht mehr kosten als der Inhalt, so lautet Gratzes Design-Regel.

Resonanzfaktor

Die Resonanz auf die Verpackungslinie ist enorm. Sie wirkt tatsächlich inspirierend wie zahlreiche Ideenvorschläge von Kunden bezeugen. Die Verpackung wirkt kommunikativ, weil sie extrem viel Gesprächsstoff bietet und zum Nachfragen anregt.

Darüber hinaus gibt es international sehr viele Sammler der Banderolen. Auch Nachahmer haben sich bereits auf den Weg der Kunst-und-Produkt-Paarung begeben. Die Idee der künstlerischen Verpackung ist nicht mehr so abwegig wie ehedem. Natürlich gab es immer schon Kunst-Verpackungen allerdings begrenzten sich diese auf Werke berühmter Künstler oder Kunst-Merchandising-Produkte.

Durch die künstlerische Verpackung konnte sich das Produkt noch klarer als Geschenk platzieren.

Zudem ist die Verpackungslinie ein Eye-Catcher am Point of Sale. Es ist tatsächlich so, dass sich die z o t t e r Fangemeinde polarisiert: Es gibt Jene, die die Schokolade ihres Geschmackes wegen kaufen und Jene, die sich in erster Linie der Verpackung wegen für den Kauf entscheiden.

Andreas h. Gratze erhielt in Düsseldorf den begehrten iF – packaging award 2008 in der Kategorie Verpackungsgrafik. Die Jury wählte ihn aus  für seine kreative und witzige grafische Umsetzung der Zotterschen Schokoladenkompositionen, außerdem wurde er für den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2009 nominiert.

Mag. Andreas h. Gratze, * 07.08.1962 in Graz, Österreich.
Ausbildung als Koch-Kellner.
Bühnenbild-Studium an der Grazer Kunst-Universität.
Vater dreier Kinder.
Lebt und arbeitet als freischaffender Künstler und pack-artist in Berlin.
www.a-h-g.at