19.12.2015

Gedanken zum Neujahr

von Josef Zotter

Welche Gedanken kommen mir, wenn ich mich mit meiner eigenen Endlichkeit auseinandersetze? Wenn ich einmal nicht mehr bin, was bleibt dann von mir? Was soll bleiben? Welche Auswirkungen hat das auf mein Leben im Hier und Jetzt? Der Beginn eines neuen Jahres ist der Zeitpunkt, an dem ich zurück und nach vorn schaue ...

Jeden Tag denk’ ich mir: Schön, dass ich noch da sein kann. Und wenn es einmal soweit ist, dass ich „offiziell“ nicht mehr da bin, werde ich trotzdem da sein, weil ich fest davon überzeugt bin, dass ich in meinen Kindern weiterlebe.

Ich glaube nicht an den Himmel oder gar an die Hölle – nein, ich lebe hier und jetzt! Und ich schneide mir nicht ins eigene Fleisch, sondern versuche bewusst und behutsam zu leben, so als ob ich noch 500 oder gar 1000 Jahre vor mir hätte.

Das Jahr geht zu Ende und ich freu mich schon sehr auf das neue. Es wird bestimmt ein gutes Jahr, weil ich es so will.

Die Liebe ist das höchste Gut, wonach es sich zu streben lohnt. Klar, zuerst muss man sich selbst mögen, dann kann man die Liebe weitergeben, an Familie, Freunde und an Mitmenschen, die vielleicht auf der Flucht sind.

Manchmal bewundere ich mich selbst auch ein bisserl. Ich bin sehr dankbar, dass mir öfters kreative Ideen einfallen und ich denke mir: Wo kommen diese Gedanken und Ideen her? Ich bin reich beschenkt worden – vor allem auch mit so vielen feinsinnigen Menschen und Künstlern, die ich zu meinem Freundeskreis zählen darf. Das Leben ist schließlich ein Miteinander.

Langsam weiß ich auch, was die Kreativität fördert – es sind die positiven Gedanken, die schlechten muss man einfach weglassen, obwohl diese manchmal natürlich auch da sind, diese abscheulichen Gedankenfetzen, aber fort damit!

Wenn ich Schokolade mit Insekten kreiere oder mir überlege, wie wohl Brennholz in Verbindung mit Karamell-Schokolade und etwas Zitrone oder Ingwer schmeckt, dann freu’ ich mich diebisch. Wenn ich andererseits durch unseren Essbaren Tiergarten wandere, wo wir über „die Endlichkeit der Bewohner“ entscheiden, bin ich manchmal auch wirklich unsicher, ob wir das dürfen. Daran zweifle ich häufig und ich stelle mir, wenn ich Fleisch esse, immer wieder die Frage, ob es nicht besser wäre vegetarisch zu leben.

Es ist nicht das Geld, das mich antreibt – ich bin schon dahintergekommen, dass Geld keinen großen Wert hat. Klar, man kann sich was kaufen, aber Geld macht einfach nicht glücklich. Es ist ein Tauschgut und mehr nicht. Glücklich macht mich ein schönes Essen, gemeinsam gekocht mit meiner Familie, einfach frei fantasieren und erfinden, ein schöner Tag, ins Theater zu gehen, gute Musik zu hören und manchmal innezuhalten, um den Vögeln im Busch zu lauschen.

Das Gefühl rundum glücklich zu sein, habe ich natürlich nicht immer, aber sobald ich innehalte, wird mir bewusst, dass wir schon in einer guten Zeit leben, auch wenn es noch viele Probleme auf der Welt gibt. Die großen Probleme können wir als einzelner Mensch nicht lösen, aber wir können bei uns selbst anfangen Dinge zu ändern, die man sich wünscht – das geht immer und ganz schnell – und bringt ganz viel!

Und noch was zu den guten Vorsätzen: Die Maximierung der Menschlichkeit ist wohl der größte Gewinn, den man machen kann – das gilt auch für 2016!