Weltenwanderer Gregor Sieböck unterwegs mit Zotterschokolade

Seit 2003 unternimmt der studierte Umwelt- und Wirtschaftswissenschaftler aus Österreich ausgedehnte Weltenwanderungen – alles zu Fuß. Er versucht ein nachhaltiges Leben in allen Belangen umzusetzen und setzt sich für ein bewussteres und verantwortungsvolleres Handeln ein.
„Wir haben nur EINE Erde, und wir sollten lernen, innerhalb dieser Grenzen zu leben, wenn wir unseren Kindern eine lebenswerte Umwelt zurücklassen wollen. Internationaler Handel und der technologische Fortschritt ermöglichen es aber, dass wir unsere natürliche Umgebung übermäßig ausbeuten. Die zukünftige Herausforderung wird daher sein, unseren ökologischen Fußabdruck wieder zu verkleinern, das heißt, weniger Ressourcen zu verbrauchen und weniger Abfall zu produzieren. Das bedeutet nicht unbedingt Verzicht, sondern kann in der Praxis etwa folgendermaßen aussehen:
- Regional erzeugten Gütern und Nahrungsmitteln aus biologischer Landwirtschaft den Vorzug zu geben gegenüber verpackten und importierten Produkten
- Güter wieder verwenden und reparieren.
- Wenn möglich sollten wir auf das Privatauto verzichten und stattdessen auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad umsteigen, etc.“
mehr dazu: http://www.globalchange.at
Da Josef Zotter den Weltenwanderer unterwegs mit den notwendigen Schokoeinheiten versorgt, meldet er sich ab und zu bei uns, schickt stimmungsvolle Fotos mit passenden Kommentaren. Wir lassen Sie teilhaben an seinen Reisen!
Seit Herbst 2010 ist Gregor nun wieder unterwegs, zuerst auf weniger begangenen Jakobswegen durch die Bergwelt Asturiens und Galliziens nach Santiago de Compostela und nun weiter nach Lateinamerika. Das grobe Ziel ist erstmal Patagonien im Süden von Chile. Wie lange diese Wanderung dauern wird ist offen, wohin sie letztendlich führen wird, wird sich zeigen. Von seiner Atlantik-Überquerung hier die ersten Eindrücke:
1. Der Zauber des Lebens
Margit und ich steuern gerade auf eine Bank am Bahnsteig in Salzburg zu, um auf unseren Zug nach München zu warten. Eine lange Fahrt nach Antwerpen steht uns bevor, und der Zug wird erst in einer Stunde abfahren. Der Rucksack drückt ganz schön schwer auf die Schultern – da wir viele Tafeln Zotter-Schokolade eingepackt haben – also wollen wir möglichst nicht allzu weit gehen. Die erste Bank ist bereits besetzt. Doch wer sitzt da? Unsere lieben Freunde Romeo und Noemi! Sie wollten uns überraschen und haben einen Picknickkorb voller Köstlichkeiten mitgebracht. Die Überraschung ist ihnen mehr als gelungen und schon kann die Fiesta beginnen! Zum süßen Abschluss reisen wir zusammen dank einer fantastischen Dattelschokolade in Gedanken nach Marokko, erheben ein Glas Vino Santo auf die bevorstehende Tour und freuen uns über die Magie des Lebens.
Schließlich rollt der Zug ein und die lang erwartete Reise kann beginnen…
2. Einschiffen in Antwerpen
Im Hafen von Antwerpen wartet unser Schiff nach Valparaíso. Die MV Bahia wird uns in vier Wochen über die Karibik und durch den Panamakanal nach Chile bringen. Wir haben uns für eine Überfahrt mit dem Frachtschiff entschieden, weil das Flugzeug jenes Transportmittel ist, das die Erde am meisten verschmutzt und pro Kilometer am meisten Energie verbraucht. Frachtschiffe benötigen zwar auch Erdöl, allerdings sind sie nach dem Fahrrad, einer Reise mit dem Segelschiff und dem Zufußgehen die energieeffizienteste Fortbewegungsmethode.
Nach dem Einschiffen beobachten wir das Aufladen der bis zu 32 Tonnen schweren Container. Und zur Feier des Tages gibt es in unserer gemütlichen Kabine, unserem Zuhause für die kommenden vier Wochen, eine Tafel „Sauerstoff“, denn unweit des Ankerplatzes blasen die Kühltürme eines Atomkraftwerkes Wasserdampfwolken in den Himmel: Sauerstoff als Kontrapunkt zu strahlenden Atomen. Das gibt Energie!
3. Am Atlantik
Wie viele Tage sind wir schon unterwegs? Fünf, sieben, neun? Die Zeit scheint sich aufzulösen. Jeden Morgen, wenn ich zum Fenster hinaus blicke, sehe ich nichts als Meer; Atlantik so weit das Auge reicht und wir sind immer noch nicht in der Karibik. Auf dieser Schiffreise bekomme ich erst ein Gefühl dafür, wie groß unsere Erde ist. Unsere einzigen Wegbegleiter sind Delfine, seit einigen Tagen auch fliegende Fische, die von unserem Boot aufgescheucht werden und rasch davonfliegen. Manchmal auch ein einzelnes Segelschiff oder ein Frachter, die unseren Weg kreuzen.
Einer unserer Lieblingsplätze auf dem Schiff ist ganz vorne am Bug. So sitzen wir auf der Reling der MV Bahia und blicken auf das schier unendliche Blau hinaus… Als wir eine Tafel „Safran mit Pistazien“ öffnen, kommt der Franzose Michel vorbei, der dritte Passagier, der auch auf unserem Schiff reist. Auf die Frage ob er auch ein Stück möchte, lehnt er zuerst höflich ab, doch nachdem ich ihm erklärt habe, um was für eine besondere Schokolade es sich hier handelt, nimmt er schließlich dankend an und lässt es genüsslich auf der Zunge zergehen..
Beim Abendessen bemerkt Michel anerkennend „Unglaublich, aber ich habe noch immer den Geschmack von Safranmarzipan in meinem Mund…“
4. Die Schokolade reist nach Hause
Die Dominikanische Republik auf der Insel Hispaniola kommt in Sicht. Nach zehn Tagen auf dem Atlantik sehen wir endlich wieder einmal Land, doch wir können nicht anlegen. „Mañana“ heißt es von den Hafenbehörden in Caucedo. Zuerst sollten wir um 10:00 morgens an Land gehen, schließlich wurde es acht Uhr abends, dann nächster Tag 7:00 und nun ist es Mittag, als wir in die türkisblaue Bucht von Hispaniola einlaufen. Der Lotse gibt seine Anweisungen wie das Schiff am besten in den Hafen gesteuert werden kann und wir machen zur Feier des Tages eine herrliche Labooko mit Kakao aus der Dominikanischen Republik auf. „Fernando Roigs“ Kakao schmeckt herrlich und ich biete dem Lotsen auch ein Stück an. Er ist so begeistert, dass wir Schokolade von seiner Insel mit dabei haben und steckt gleich die ganze Tafel ein. Nicht essen - genießen! Aber das wird er sowieso, denke ich, denn die Dominiqueños leben einen viel langsameren Rhythmus als wir in Europa und so wird er die Schokolade sicher ganz langsam in seinem Mund zergehen lassen…
5. Rum Kokos und Karibische Nächte
Die Sonne ist bereits untergegangen als wir in den Hafen von Cartagena de India im Norden Kolumbiens einlaufen. Der Abendhimmel leuchtet in allen Farbnuancen von rot, gelb, orange bis dunkelblau und als in der Ferne die Lichter von Cartagena angehen, öffnen wir an einem lauen Abend eine Tafel „Rum Kokos.“ Sie stimmt uns wunderbar auf den nächtlichen Besuch von Cartagena ein, das auch „Tor Amerikas“ genannt wird und zu Zeiten der Spanischen Kolonialherrschaft eine der reichsten Städte des Kontinents war. Es erwartet uns eine Märchenstadt: die verwinkelten Gassen sind von alten Straßenlaternen mystisch beleuchtet, Paläste reihen sich an Villen und Kirchen und dazwischen eröffnen Plätze wieder den Blick zum Sternenhimmel. Während wir durch die Straßen der Altstadt spazieren, begleitet uns immer noch der wunderbare Geschmack von Rum Kokos und sorgt für karibische Gefühle.
6. Valpo mi querida, Valparaiso meine Liebe...
Es ist großartig, nach vier Wochen auf dem Schiff wieder festen Boden unter den Füßen zu haben und so spazieren Margarita und ich voller Freude über die Hügel von Valparaiso. Es gibt noch viele alte Aufzüge, welche in die höher gelegenen Stadtteile führen, und am Ende eines dieser Ascencores treffen wir auf zwei sympathische Chileninnen, die uns Geschichten von Valpo erzählen, einer Stadt, die auf vielen, vielen Hügeln erbaut wurde. Wir teilen mit ihnen eine "Götterspeise" und freuen uns des Lebens. Sie meinen, wir sollten die Avenida Montt hinunterspazieren, dort fänden wir ein spannendes Fotomotiv. Ein Freund von ihnen hat seine beiden Fernseher abgedreht und auf die Strasse gestellt...und darauf steht nun: "Schalte den Fernseher ab, lebe dein Leben!" Valparaiso, eine Stadt voller Lebensfreude und Inspiration.
7. Der Kramperl und der Vulkan
Am Krampustag, dem 6. Dezember 2010, kommen wir im Norden von Patagonien an. Unweit unserer Herberge spuckt der Vulkan Villarica. Passend zum Tag gibt es die Zwetschkenkrampusschoki und dazu ein kühles Bier um das Feuer zu löschen.
8. Der konsequente Einsatz einiger weniger Menschen macht einen Unterschied...
Anfang der 1990er Jahre sollte im nördlichen Patagonien ein Wald mit 2000 Jahre alten Araukarienbäumen gerodet werden. Einige Chilenen erfuhren davon, worauf es ihnen gelang, in Zusammenarbeit mit Ancient Forest International und der Sportbekleidungsfirma Patagonia den Urwald zu kaufen. So wurden die Araukarienwälder gerettet!
Zwanzig Jahre später wandern wir durch dieses Juwel und immer wieder bleiben wir unter den uralten Bäumen stehen. Die Zeit hört auf zu existieren, Stille erfüllt alles rundherum und der Geist wird ruhig. Dieses magische Gefühl ist schwer in Worte zu fassen... Am Abend sitzen Margit und ich schließlich am Ufer einer der Lagunen, inmitten des Urwalds und genießen ein Stück Johannisbeerschokolade - in großer Dankbarkeit jenen Menschen gegenüber, die vor 20 Jahren an ihre Träume geglaubt und das Reservat ins Leben gerufen haben, sodass wir heute noch voller Inspiration vor diesen alten Bäumen stehen können.
9. Sturmschoki
In der Nacht rüttelt ein wilder Sturm an unserem Zelt. Regen prasselt auf die Zeltplane und eine Böe nach der anderen peitscht über die nahegelegene Lagune auf unser Zelt zu. Margit und ich halten abwechselnd dagegen, um es vor dem Einsturz zu bewahren. Zur Feier, dass es den wilden Stürmen Patagoniens widerstanden hat, teilen wir köstliches Gewürzmarzipan auf Zimtnugat. Das patagonische Wetter ist sehr wechselhaft. Innerhalb weniger Augenblicke folgen wärmende Sonnenstrahlen auf wilde Stürme, aber gerade das macht den Zauber dieses Landes am Ende der Welt aus.
...und hier geht es weiter...
Schokotagebuch 2009: Dolomiten, Toskana, Umbrien, Norwegen












