Sonnentor - Besuch bei der Freude!

von Gregor Sieböck

Er trug ein T-Shirt mit einer aufgedruckten Sonne, ein weite Lederhose und eine rote Brille. Bei unserer Begegnung strahlte er eine so große Freude aus, dass sie sofort auf mich übersprang! Johannes Gutmann, ist der Chef von Sonnentor und verkauft in seinem Unternehmen im nördlichen Waldviertel biologische Tees, Kräuter und Gewürze! Er hat den Betrieb im Alter von 23 Jahren gegründet nachdem er zuvor viermal unselbständig tätig war. Dabei konnte er aber seine Talente und sein Potenzial nicht leben und so war es Zeit für einen großen Schritt. Er wollte nicht nach Wien gehen, um sich eine Arbeit zu suchen sondern im Waldviertel bleiben, doch in der strukturschwachen Region fand man kaum Arbeit.

Johannes erzählt von den Anfängen: "Ich hatte nichts. Die Kräuterbauern hatten keinen Absatz und ich keine Arbeit. Blöder ging nicht mehr – also entschieden wir zusammenzuarbeiten. Zuerst waren es gerade einmal drei Kräuterbauern, die bereit waren mitzumachen. Wir wurden ausgelacht; kehrten wir doch der chemieintensiven Landwirtschaft von Anfang an den Rücken und erzeugten alles biologisch! Das war vor 25 Jahren, da war Biolandbau gerade erst einmal ein leises Lüfterl. Doch wir glaubten daran. Bio ist für mich eine Herzensangelegenheit und die wollte ich von Anfang an leben! So entstand Sonnentor!"

Johannes Gutmann unterwegs im Lager
Johannes Gutmann unterwegs im Lager
Johannes und Simone im Lager
Johannes und Simone im Lager
Johannes und Simone im Lager
Johannes und Simone im Lager

Zu Beginn verkaufte Johannes Gutmann die Kräutertees auf Bauernmärkten und in den ersten Bio- und Reformläden. Mit einem alten, klapprigen VW-Bus fuhr er durch das nördliche Waldviertel und sammelte bei seinen Bauern die Kräuter ein. Dann verkaufte er sie selbst. Dabei trug er meist die sechzig Jahre alte Lederhose, die er geerbt hatte: "Sie war schon ein bisschen abgewetzt und speckig, aber sie kleidete mich wunderbar. Bald war ich überall bekannt als der Kräutermann in der Lederhose. Der Spinner...Doch die Begeisterung hat uns alle getragen. Am Anfang haben wir die Kräuter noch mit der Schere geschnitten. Die Bauern haben sie gleich am Hof verpackt. Die Sackerl und Etiketten stellte ich ihnen zur Verfügung und ich holte die Tees stückweise ab und verkaufte sie dann am Markt. Ich zahlte die Bauern immer sofort und so konnten die Bauern mitwachsen – und ich wollte die Preise nie drücken. Es ist mir wichtig, dass es den Bauern gut geht; ganz im Sinne von leben und leben lassen. Das verstehe ich unter fairem Handel!"

Die Bauern verpackten die Kräuter direkt am Hof, dadurch bleib diese Wertschöpfung bei ihnen. Als bloße Rohstofflieferanten hätten sie bei den nicht gerade üppigen Erträgen der Waldviertler Böden vom Kräuteranbau mehr schlecht als recht leben können. Wenn sie die Produkte selbst veredeln, Tees und Sirupe machten, Gewürzmischungen und Cremen, schaute es mit dem Ertrag schon besser aus. Johannes holte die Produkte dann mit dem alten VW Bus ab. So hatte er am Beginn von Sonnentor kein Lager, keine Lohnnebenkosten, da er als „One-Man-show“ keine Mitarbeiter eingestellt hatte und auch keinen Druck – so war die FREUDE von Beginn an da! Mit der Zeit wurden die Sonnentorkräutertees immer beliebter und so ist er zusammen mit den Bauern Schritt für Schritt im gegenseitigen Vertrauen gewachsen.

Einer seiner Lieblingskräuterbauern ist der Kurt Kainz. "Er war der einzige Mann, der gleich von Beginn weg an die Idee von Sonnentor geglaubt hat und ihr mit den besten Kräutern auch zum Erfolg verholfen hat. Auf nur 2 ½ Hektar baut er in Bioqualität alles an, was in seine Teemischungen gehört. Der Druidentee, der Blütentee, der Wohlschmeckertee und der Loslassen-Tee stammen aus seinem Anbau. Hanf, Beifuss, Haselnussblätter und Apfelminze machen den Druidentee so besonders anregend. Grüner Hafer, Ringelblumen und Goldmelisse erleichtern das Loslassen. Kurt Kainz hat außerdem eine "Herde" von zwei Kühen, um den Biokreislauf am Hof zu erhalten. Fast alles erntet er von Hand, die Himbeerblätter, die Birkenblätter oder Brombeerblätter stellt ihm die Natur sozusagen kostenlos zur Verfügung. Kurt hat kein Geld in große Maschinen investiert und erzeugt heute zusammen mit 7 oder 8 Mitarbeitern trotzdem 70.000 Packungen Kräutertee pro Jahr – Leben und leben lassen! Kurt lebt wunderbar von seinen 2 ½ Hektar Landwitschaft. Ein anderer hat vielleicht 40 Hektar und baut dann auf 10 oder 11 Hektar Kräuter an. Doch dafür braucht er schon Maschinen, um mehr produzieren können aber am Ende lebt der kleine Kräuterbauer vielleicht besser als der große."

Der Kräutergarten
Der Kräutergarten

"Wenn du erkennst was du nicht brauchst, geht es dir viel besser. Was können wir mehr als leben? Wir können nicht zweimal am Tag leben, sondern nur einmal. Es geht um etwas ganz anderes als Geld, um das dann den ganzen Tag gestritten wird. Das Geheimnis des Erfolgs ist in der Leichtigkeit, in der Freude und im Lachen! Und die Freude kann mir keiner leben, die muss in mir selbst reifen. Was von der Wurzel her gesund ist, wächst und strahlt aus. Für mich gibt es keinen Arbeitsalltag, jeder Tag ist spannend und bringt etwas Neues. Ich stehe in der Früh auf und abends gehe ich schlafen, das ist vielleicht die einzige Routine in meinem Leben und dazwischen habe ich eine Gaudi und eine Freude. Ich fühle gar nicht, dass ich arbeite" erzählt Johannes Gutmann.

Mittlerweile hat Sonnentor 180 Mitarbeiter und verkauft 700 Tonnen Kräuter und Gewürze. 150 Bauern produzieren in Österreich aber es gibt auch Kräuteranbaugebiete in Tschechien und im fernen Albanien. Die exotischen Gewürze kommen aus Übersee und die Produkte wie Tee, Kräuter- und Gewürzmischungen werden in über 5o verschiedene Länder exportiert.

Verpackungsraum
Verpackungsraum
Verpackungsraum
Verpackungsraum

"Unsere Kriterien für gute Ware sind streng. Für alle Endprodukte gilt: keine Farbstoffe, keine Aromazusätze und Konservierungsmittel. Obwohl alle Produkte nur biologisch erzeugt werden überprüfen wir trotzdem alles was angeliefert wird mikorbiologisch und auch auf metallische Verunreinigungen. So zahlen wir 300.000 Euro pro Jahr für die Prüfung auf Schadstoffrückstände. Unser Qualitätssicherungssystem „Total Quality Management“ ist uns dabei eine professionelle Grundlage und Absicherung. Wir möchten, dass jeder, der ein Sonnentorprodukt kauft, bis zum Acker zurückverfolgen kann, woher sein Genuss kommt. Viele gute Geister haben die Kräuter auf ihrem Weg vom Feld bis ins Verkaufsregal begleitet. Von vielen sind sie in die Hand genommen worden. Und gemeinsam haben wir sie immer wieder in neue Verbindungen gebracht, bis wir mehr als 600 verschiedene Produkte in unserem Sortiment hatten. Und noch ist kein Ende abzusehen. Kräuter machen kreativ."

Der Lavendel wird nur als 5. Qualität eingestuft; die Qualitätsstandards bei Sonnentor sind sehr streng
Der Lavendel wird nur als 5. Qualität eingestuft; die Qualitätsstandards bei Sonnentor sind sehr streng
Kümmel wird nach unterschiedlichen Qualitäten sortiert und eingepackt
Kümmel wird nach unterschiedlichen Qualitäten sortiert und eingepackt
Minzblätter bevor sie in die hauseigene Qualitäts- und Rückstandskontrolle gehen
Minzblätter bevor sie in die hauseigene Qualitäts- und Rückstandskontrolle gehen

Der Firmensitz ist in einem kleinen Dorf namens Sprönitz in der der Nähe von Zwettl. Johannes Gutmann hat dort Anfang der 1990er Jahre einen alten Bauernhof gekauft und ihn umgebaut. Mittlerweile sind weitere Lagerhallen für die Kräuter und Gewürze hinzugekommen. Die Bauern packen immer noch zuhause ab, wenn sie das wollen, doch manche kommen auch in Sprögnitz vorbei und verpacken die Kräutertees bei Sonnentor – so haben sie einen sozialen Ausgleich und bekommen obendrein noch ein gratis Mittagessen in der Kantine wie alle Mitarbeiter von Sonnentor – es ist eben eine große Familie und das spürt man wenn man durch die Firma spaziert!

Die Verpackungsmaterialien sind übrigens seit 2009 gänzlich ökologisch. Das Plastik wurde durch einen nachwachsenden Zellstoff ersetzt. Johannes Gutmann war zu Besuch bei seinen Bauern in Albanien und entdeckte in der idyllischen Einöde einen Müllhaufen: "Da wurde mir klar, dass wir bei Sonnentor auch unsere Produkte in Plastik verpacken und es dauert Jahrzehnte bis es verrottet. Ich suchte nach Alternativen und fand dann auf der Biofachmesse einen Anbieter von ökologischem Verpackungsmaterial. Zusammen entwickelten wir die neue Sonnentorverpackung aus nachwachsendem und kompostierbaren Zellstoff."

Alle Sonnentorverpackungen sind seit 2009 aus kompostierbarem Material
Alle Sonnentorverpackungen sind seit 2009 aus kompostierbarem Material
Alle Sonnentorverpackungen sind seit 2009 aus kompostierbarem Material
Alle Sonnentorverpackungen sind seit 2009 aus kompostierbarem Material

Und Zotter? "Wir sind uns vor ein paar Jahren des erste Mal begegnet. Ich dachte mir das ist auch so ein Vogel wie ich, den mag ich, denn wir spinnen in einer ähnlichen Welt. Ich begann seine Schokoladen in den Sonnentorläden zu verkaufen und Josef Zotter kauft bei uns Kräuter und Gewürze. 2008 zu Beginn der Finanzkrise entwickelten wir dann zusammen mit Robert Rogner von der Therme Blumau das Blumauer Manifest und postulierten: Uns geht’s gut, wir lassen die Krise, Krise sein und spinnen unseren Traum weiter. Das Bewusstsein der Menschen wächst und so spüren die Konsumenten auch, dass es bei uns anders ist: wir arbeiten konsequent biologisch und wir lassen auch die anderen gut leben – leben und leben lassen eben. Es lebe die FREUDE!"

Sonnentorladen
Sonnentorladen

Übrigens die Freude kann jeder besuchen. Sonnentor hat seine Tore für Besucher geöffnet und es ist wahrlich ein Erlebnis dort vorbeizuschauen...vielleicht sogar verbunden mit einer schönen Wanderung durch das idyllische Waldviertel. Mehr Infos unter www.sonnentor.com