Das Weingut Umathum in Frauenkirchen

von Gregor Sieböck

Dieses Jahr war ein trockener Sommer am Neusiedler See: Kein Tropfen Regen seit zwei Monaten. Auf meinem Weg nach Frauenkirchen kam ich an verdorrten Maisfeldern vorbei, sah wie die Wiese verbrannt war und stand schließlich vor dem Weingarten von Umathum. Am Eingang begrüßte mich gleich die steinerne Skulptur eines Engels, der mit einem Frauenkörper verschmolzen war. Auf den Weinstöcken hingen saftige, dunkelblaue Reben und dazwischen blühten Rosensträucher. Ich entdeckte einen kleinen Teich mit Seerosen, spazierte an einem Sonnenblumenbeet vorbei und trat dann in das kühle Gebäude der Winzerei. Josef Umathum begegnete mir mit einem Lächeln und meinte ich solle mir einmal in Ruhe den Weinkeller anschauen. Als ich kurz von der Zotterweltreise erzählte, meinte er spontan: „Ich würde so gerne mitkommen. Brauchst du nicht einen Sekretär, der dich begleitet?“ 

Der Umathumbetrieb und der Weingarten. Insgesamt werden 33 Hektar biologisch bewirtschaftet. Von Vertragswinzern werden von etwa 10 Hektar Fläche Trauben zugeliefert.
Der Umathumbetrieb und der Weingarten. Insgesamt werden 33 Hektar biologisch bewirtschaftet. Von Vertragswinzern werden von etwa 10 Hektar Fläche Trauben zugeliefert.
Josef Umathum
Josef Umathum

Umathum ist eine ganz besondere Winzerei. Josef Umathum bewirtschaftet sie seit 2006 nach den Erkenntnissen von Rudolf Steiner biodynamisch. Rudolf Steiner hat sein Wissen von Goethe gewonnen, dieser wiederum von den Griechen und die Griechen von den Persern. Es handelt sich also um einen uralten, immer wieder überlieferten Wissensschatz.

Der Umstieg auf biodynamischen Landbau war für Josef Umathum ein großer Schritt auf den er sich einige Jahre gedanklich vorbereitet hat, denn es bedeutete für ihn vor allem eine geistige Herausforderung. Er lernte mit Schwingungen zu arbeiten, um mit kleinen Teilen große Dinge in Bewegung zu bringen und zu verändern.

Um die Gesundheit von Boden, Pflanzen, Tieren und den Menschen nachhaltig und lebendig zu erhalten, folgt diese Form der Bewirtschaftung den Rhythmen der Natur. Gedüngt wird ausschließlich mit Kompost aus den Resten der Traubenverwertung und aus Rinderdung. Darüber hinaus werden die Weinstöcke mit homöopathischen Spritzungen von Tees aus Brennesseln, Kamille und Zinnkraut behandelt, sodass ihre Abwehrkräfte mobilisiert werden. In den Phasen der großen Trockenheit im vergangenen Sommer hat Josef öfters Kamillen- oder Baldriantee gespritzt, was die Pflanzen beruhigt, da sie aufgrund der Hitze unter starkem Stress gestanden sind. Dafür reichen 800 Liter Tee für die ganze Anbaufläche, um bei den Weinreben einen merklichen Effekt zu erzielen.

Im Jahresverlauf ist es wichtig, dass die Weinrebe im Frühling zunächst ihre Kräfte im vegetativen Wachstum voll entfaltet, sich im Sommer in Richtung Reife orientiert und im Herbst dann ihre Kräfte in den reifen Weintrauben konzentriert. Das bringt Trauben mit viel Fruchtpotenzial und ausgewogener Säure und ist somit die Grundlage für eigenständige, bekömmliche und langlebige Weine. Unterschiedliche Zyklen greifen ineinander: der Tag (Die Geburtsstunde des Tages ist Mitternacht wo die Nacht am dunkelsten ist, vormittags ist die Expansion und nachmittags die Konzentration), der Mondzyklus (zunehmend und abnehmend) und schließlich der Jahreszyklus aus Frühling (Expansion), Sommer (Reife), Herbst (Konzentration und Ernte) und Winter (Ruhe, Stille).

Der biodynamische Jahreskreislauf
Der biodynamische Jahreskreislauf
Die Tanks zum Vergären der Maische. Zuerst werden die Trauben gerebelt (d.h. die Stengel werden entfernt), dann werden sie gestampft und die daraus entstandene Maische kommt in die Tanks. Dort wird sie 2 – 3 Wochen lang bei niedrigen Temperaturen vergoren.
Die Tanks zum Vergären der Maische. Zuerst werden die Trauben gerebelt (d.h. die Stengel werden entfernt), dann werden sie gestampft und die daraus entstandene Maische kommt in die Tanks. Dort wird sie 2 – 3 Wochen lang bei niedrigen Temperaturen vergoren.

Der biodynamische Landbau arbeitet auf mehreren Ebenen, der mineralischen, der pflanzlichen und der tierischen Ebene. Dann gibt es auch noch das „ich“ – den persönlichen Wandel – und die geistige und göttliche Komponente. Während das Gestein einen ganz langen Zeithorizont hat, kann sich die Pflanze in kurzer Zeit dort entfalten wo sie wächst. Die Tiere können sich noch mehr anpassen, weil sie sich bewegen können und einen eigenen Willen haben. Bei den Menschen passiert dann der Verknüpfung mit der geistigen Komponente. Josef Umathum zitierte den alten Sanskrittext: „Achte auf deine Gedanken, denn sie werden zu Worten, achte auf deine Worte, denn sie werden zu deinen Handlungen, achte auf deine Handlungen, denn sie werden zu deinen Gewohnheiten, achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden zu deinem Charakter, achte auf deinen Charakter, denn er wird zu deinem Schicksal.“

Im biodynamischen Landbau ist der Bezug zum Boden sehr wichtig. Dieser Bezug ist in der konventionellen Landwirtschaft fast völlig verloren gegangen, da die Bauern in den großen, vollklimatisierten Traktoren arbeiten und die chemischen Beigaben oftmals nur darauf abzielen die Erde noch weiter auszubeuten. Doch es geht um ein Miteinander von Erde, Mensch und Kosmos!

Der traditionelle Weinkeller: für Zweigelt, Blaufränkisch und St. Laurent Weine. In jedem der großen Eichenfässer lagern 2.500 Liter Wein. Insgesamt erzeugt Umathum pro Jahr ca. 300.000 Flaschen Wein.
Der traditionelle Weinkeller: für Zweigelt, Blaufränkisch und St. Laurent Weine. In jedem der großen Eichenfässer lagern 2.500 Liter Wein. Insgesamt erzeugt Umathum pro Jahr ca. 300.000 Flaschen Wein.
Der Barrique Weinkeller. Barriquefässer haben eine kleinere Fassgröße und sie werden aus französischem Eichenholz gefertigt.
Der Barrique Weinkeller. Barriquefässer haben eine kleinere Fassgröße und sie werden aus französischem Eichenholz gefertigt.

Die Tiere fungieren als Brücke zwischen Boden und Pflanzen indem sie den Boden düngen und den Pflanzen wieder die nötigen Nährstoffe zuführen. Der Misthaufen am Hof ist der Lebensimpuls. Mit Präparaten wird die Schwingung des Mists verändert. So wird zum Beispiel für das Hornmistpräparat Kuhdung in ein Kuhhorn gegeben und einige Zeit im Boden vergraben. Das Horn informiert den Mist dabei mit dem Wissen der Vergangenheit, denn es spiegelt das Gedächtnis wieder - genauso wie in unsern Haaren viele Informationen von unserem Sein und Lebenswandel gespeichert werden. Das Gedächtnis informiert die Pflanze, das zu werden was sie einmal war. Der Mist wiederum aktiviert die Lebenskräfte der Rebe. Die Präparate, der Mist und auch die Teespritzungen tragen dazu bei, dass im Boden Tonverbindungen aufgebaut werden. Ton gibt die Nährstoffe langsam ab und speichert Wasser – ein Effekt, der in diesem Jahr wesentlich dazu beigetragen hat, dass die monatelange Dürre, den Weinstöcken nicht so schaden konnte.

Trotzdem zweifelt Josef Umathum auch immer wieder einmal an seinem Weg – vor allem weil er den Weg oft alleine gehen muss, denn er ist in der Umgebung der Einzige, der biodynamisch und im Einklang mit den irdischen und kosmischen Kräften arbeitet. Der Zweifel bringt ihn aber auch ständig weiter und er lernt die Dinge von einem aufs andere Mal besser zu machen. Er verändert seinen Standpunkt und schon sieht er die Dinge wieder anders. Die Welt verhält sich so ist wie wir sie sehen. Wir sind Schöpfer unserer Realität und Gedanken schaffen Materie. Daher ist wichtig bei den Gedanken und dem Bewusstsein anzusetzen, denn diese sind die Quelle, aus der sich Neues entfaltet.

Weinlieferung für Zotter: Zweigelt Hallebühl. Bei diesem Wein handelt es sich um eine Toplage Zweigelt. Hallebühl kommt vom Hollerbuschen. Diese wachsen noch immer an dem Ort wo auch der Zweigelt gerntet wird. Zur Keltenzeit war dort ein Grabhügel und der Hollerstrauch war für die Kelten eine heilige Pflanze. Noch heute ist in Hallebühl eine Erdstrahlenkreuzung.
Weinlieferung für Zotter: Zweigelt Hallebühl. Bei diesem Wein handelt es sich um eine Toplage Zweigelt. Hallebühl kommt vom Hollerbuschen. Diese wachsen noch immer an dem Ort wo auch der Zweigelt gerntet wird. Zur Keltenzeit war dort ein Grabhügel und der Hollerstrauch war für die Kelten eine heilige Pflanze. Noch heute ist in Hallebühl eine Erdstrahlenkreuzung.
Der Wanderer. Diese Skulptur hat Josef Umathum erst einen Tag bevor ich vorbeigewandert bin gekauft.
Der Wanderer. Diese Skulptur hat Josef Umathum erst einen Tag bevor ich vorbeigewandert bin gekauft.

Heuer wird die Weinernte wegen der Trockenheit geringer ausfallen, das ist gewiss, und doch hängen saftige Weintrauben an den Rebstöcken. Es herrscht eine große Fülle auf unserem Planeten, aber diese Fülle müssen wir zuerst in uns selbst entdecken bevor wir sie im Außen wahrnehmen können. Bei unserer Begegnung hatte ich das Gefühl, dass Josef Umathum die Fülle in sich schon erkannt hat und er möchte diese Fülle mit der Erde und seinen Mitmenschen teilen. Das Weingut unterstützt Menschen und Projekte, die neue Wege im ländlichen Raum gehen und fördert sie darin ihre Talente zu entfalten. Gemeinsam mit fünf anderen Standorten wurde auch die Bibliothek der Region ins Leben gerufen. Hier wird Wissen aus der Umgebung erhalten, werden Veränderungen dokumentiert und wird aufgezeigt was Neues möglich ist. Das Thema von Josef Umathums Bibliothek ist „Kommen und Gehen“ und so hat er gerade erst einen Tag bevor ich vorbeigekommen bin eine Skulptur für den Eingang zum Gebäude erworben: den Wanderer. 

Ich habe mich in der Winzerei Umathum sofort zuhause gefühlt und doch kam schließlich wieder der Zeitpunkt des Abschieds. Ich packte meine Sachen und wanderte los; doch eines ist gewiss, ich werde wiederkommen und wir werden uns Geschichten erzählen, jene die wir nun alle auf unserem Lebensweg erleben dürfen … ein Kommen und Gehen und irgendwann vielleicht auch … ein Ankommen!