Das Imageproblem der Landwirtschaft

Josef Zotters Kopfstände | 12. September 2017 | Josef Zotter

Josef Zotter im Kakaobohnenlager

Als wir mit dem Essbaren Tiergarten angefangen haben, wurden wir angefeindet. LehrerInnen wollten mit ihren Schülern nicht mehr kommen, weil die zu streichelnden Tiere ja gegessen werden. Sie meinten, das könne man den Kindern ja nicht erklären! Von Tierschützern sowieso, denen wir aber in die Hände spielen.  Das ist ein Teil des Imageproblems. Ein weiteres sind die ganzen Skandale. Und auch jetzt werden bei jedem Landwirtschaftsskandal alle Landwirte angegriffen – nicht die Handelsketten als solches, die auch unter enormen Konkurrenzdruck stehen.
 
Wir, meine Mitarbeiter und ich, bemühen uns wirklich, eine gute Arbeit zu machen. Das klappt auch. Unser Essbarer Tiergarten ist ein tolles Projekt. Aber jedes Mal , wenn ein Lebensmittelskandal aufkommt – wie jüngst bei den mit Fipronil belasteten Eiern – stehen ALLE Landwirte unter Generalverdacht. Aber warum geschieht das?
 
Der Leistungsdruck in der Landwirtschaft ist so groß, der Markt mit Billigprodukten so übersättigt, dass fast alle unter höchstem finanziellem Druck arbeiten. Das führt dann zu schwarzen Schafen, die es – leider – überall gibt; so auch in der Landwirtschaft. Den daraus resultierenden Schaden müssen dann alle tragen. Denn auch wir mit unserer Bio-Landwirtschaft stehen unter Verdacht.
 
Dann passiert das, was leider in der gesamten gegenwärtigen Wirtschaft passiert: Alle zahlen den Preis. Nur können sich die kleinen Landwirte das irgendwann nicht mehr leisten, wenn ihre Produkte aufgrund der Verfehlungen mancher nicht mehr gekauft werden!
 
Wir müssen da endlich ehrlich drüber reden: So wie es derzeit läuft, wird es nicht mehr lange gut gehen. Fast täglich gibt es neue Horrorvideos aus „Tierfabriken“, tote Tiere, elende Tierexistenzen. Nur damit man eine lebende Sau für 200 Euro bekommt. Da lacht der IT-Berater, der das in der Stunde verlangt. Von Rechtsanwälten gar nicht zu reden. Aber wie soll da gute, nachhaltige Landwirtschaft betrieben werden?
 
Ich kämpfe dafür, auch mit dem Essbaren Tiergarten, dass wir eine gute, saubere Landwirtschaft machen. Dass wir die Tiere ordentlich halten; dann schmeckt auch das Schnitzel. Und weiter geht's mit der Ehrlichkeit: Ja, auch wir konsultieren Tierärztinnen und Tierärzte, die verschreiben auch Antibiotika, in Einzelfällen. Aber durch die riesigen Betriebe, die da noch mehr beziehungsweise gänzlich gegen die Natur agieren, gerät auch das in Verruf und es wird behauptet, dass diese Betriebe präventiv Antibiotika einsetzen würden. Am Imageproblem der Landwirtschaft sind aber sicherlich nicht die kleinen Bauern schuld – so lange sie es dank der Verfehlungen einiger weniger, meist großer, Betriebe, noch gibt.

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