Das Produkt Arzt

Josef Zotters Kopfstände | 15. März 2019 | Josef Zotter

Josef Zotter

Verlangen wir doch zehn Euro pro Arztbesuch oder einen kleinen Selbstbehalt. Da wird es jetzt wieder einen Aufschrei geben, ich weiß. Aber ich will erklären, wie man das Produkt Arzt wieder attraktiv machen kann. Lesen Sie bis zum Ende, es lohnt sich!

Vorneweg müsste man natürlich einen gewissen Prozentsatz der Bevölkerung von der Zehn-Euro-Regelung ausnehmen. Die, die es sich nicht leisten können, sollen gratis zum Arzt gehen können…ist ja keine Frage. Aber alle anderen sollen etwas zahlen…oder zurückgeben. Das würde vor allem die vielen sinnlosen Arztbesuche minimieren.

Dazu müssten auch die Unternehmer sich etwas überlegen. Schon ab dem ersten Tag des Krankenstandes muss man in vielen Firmen zum Arzt. Oft am dritten. Aber sollten wir Chefs nicht etwas kulanter sein? Ich mein, wer jeden Montag krank ist, den holt man sich dann schon her. Auch da wäre ein kleiner Selbstbehalt die erste Woche die Lösung … also minus 10% von netto.

Ich will niemanden was wegnehmen der krank ist ... aber sonst ist das System leider nicht zu handhaben weil es immer welche geben wird, die sowas ausnutzen. Wenn ich meine Mitarbeiter kenne, dann vertraue ich einfach darauf, dass sie nicht Skifahren gehen, wenn sie einmal in der Grippezeit einen, zwei oder drei Tage krank sind. Und wenn jemand krank ist dann sehe ich das als kleine Investition in die eigene Gesundheit. Wenn es ein bisserl was kostet ist es auch mehr wert ... Gratis ist nie gut.

Und dann geht es ja auch darum, dass Sie und ich wieder mehr Verantwortung übernehmen sollen. Was ist das für eine Welt, in der man am Wochenende ein bissl Husten und Schnupfen bekommt und am Montag zum Arzt rennt oder rennen muss und dann Antibiotika und Co. bekommt, um ja am Dienstag wieder zu arbeiten. Klar, für viele Ärzte war das lange ein Geschäftsmodell, einen Nasenspray zu verschreiben. Sinnvoll ist das nicht.

Schließlich braucht es ja ein Gesundheitssystem, das erhaltbar bleibt. Wie motiviert ist ein Arzt, der im März jeden Montag zuerst einmal 27 Krankmeldungen ausstellen muss, wenn dann jemand kommt, der wirklich seine Zeit braucht? Dann bekommen wir wahrscheinlich auch wieder junge Mediziner aufs Land, weil sie dort auch heilen können und nicht nur Krankenstandsbescheinigungen ausfüllen.

Sie sehen also, dass alles hätte gute Effekte. Die Ärzte hätten mehr Zeit für die wirklich kranken, wir würden in den Unternehmen wieder eine größere Vertrauensbasis untereinander haben. Und letztlich denke ich, dass es gut täte, wenn wir wieder mehr Verantwortung für unsere Gesundheit übernehmen würden, quasi unsere eigenen Chefärzte.

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