Die Rekolonialisierung Afrikas

Josef Zotters Kopfstände | 01. Dezember 2017 | Josef Zotter

Josef Zotter im Kakaobohnenlager

Jahrhundertelang beutete Europa den Kontinent Afrika aus. Auf meiner Reise nach Madagaskar konnte ich mir ein Bild davon machen, wie es heute aussieht. Leider nicht viel besser.

Formal war Simbabwe die letzte europäische Kolonie, die 1980 von Großbritannien unabhängig wurde. Besetzt ist zudem noch die ehemalige spanische Kolonie Westsahara, allerdings vom Nachbarn Marokko. Aber ist damit die Ausbeutung des afrikanischen Kontinents zu Ende? Leider eben nicht. Was schon vor der Zeit des Imperialismus der europäischen Staaten der Fall war, das gibt es heutzutage wieder: Es sind Konzerne, die den Kontinent weiterhin ausbeuten.

Da wird das Trinkwasser abgezapft und verkauft, seltene Erden, die für unser Elektronikzeugs gebraucht werden, werden von de facto Sklaven abgebaut, es wird aus Fernost investiert, was das Zeug hält. China ist der neue große Investor in Afrika und wir kaufen die Produkte von dort.  Am Ende des Tages sind es aber eben die üblichen und neuen Verdächtigen, die mit dem Kontinent Afrika beste Geschäfte machen – und die Leute vor Ort bleiben arm. Vielleicht sind sie nun „relativ“ gesehen nicht mehr arm, weil sie Arbeit finden. Aber wie heißt es so bitter: Das ist zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel.

Das ist mir vor allem auf Madagaskar aufgefallen. Die gesamte riesige Insel wird als Rohstofflager angesehen. Natürlich gibt es auch reiche lokale Unternehmen, die die Menschen ausbeuten - so ist es nicht. Die haben ihre steuerschonend konstruierten Firmen auf Mauritius. Aber die große Macht haben freilich Konzerne aus Europa, den USA und seit ein paar Jahren eben China.

Sicherlich ist das nicht das Unterdrücken und Abschlachten, das europäische Kolonialherren jahrhundertelang betrieben haben; die neuen Kolonialherren setzen auf Wirtschaftsmacht und sind klug genug, den Leuten zwar Brot und gelegentlich sogar Spiele zu geben.

Aber letztlich sind die meisten Länder Afrikas noch weit von einer tatsächlichen Unabhängigkeit entfernt, wenn man sich so ansieht, wer vom Rohstoffreichtum profitiert. Die Globalisierung mag die Lage der Menschen mancherorts verbessert haben, aus bitterer Armut nur noch Armut gemacht haben. Aber frei ist der Kontinent deswegen noch lange nicht. Die neue Kolonialisierung läuft mittels Dollar, Yuan und Euro ab, nicht mehr mit Gewehren.

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