Ein guter Chef muss ein bisschen einen Vogel haben

Josef Zotters Kopfstände | 10. Juli 2017 | Josef Zotter

Josef Zotter im Kakaobohnenlager

... ich habe zwei davon!

Es gibt ja einige Menschen, die mich für ein bisserle verrückt halten. Weil ich Dinge mache, die oft nicht logisch erscheinen. Komische Schoko beispielsweise und dann nenne ich das Ganze „Fake Chocolate“, bestehend aus Erdnüssen und Brennnesselgelee - wo aber nicht die Brennnessel brennt (Fake!!!), sondern der Chili, der drin ist. Eben: „Make Chocolat great again“. Mit der Haarpracht eines amerikanischen Präsidenten am Cover. Und ob es einen Ideenfriedhof braucht, ist sowieso fraglich.

Es gibt ja mehrere Arten von Unternehmern und Unternehmerinnen. Die einen denken rational, die anderen irrational. Ich gehöre eher zur zweiten Gruppe. Oftmals, das wird an den Business Schools auf der Welt gelehrt, sind es einfache Milchmädchenrechnungen. Etwa: Wie kann ich mein Produkt mit möglichst geringem finanziellem Aufwand teuer verkaufen. Das führt dann zu wahnwitzigen Konstrukten, dass eine Firma hier verkauft, dort den Sitz hat; in Billiglohnländern produziert; und am Ende alles „steuerschonend“ macht. Was soll ich sagen? Eh schon wissen - nicht der Gemeinschaft dienend!

Der Witz ist aber, dass dieses System der optimierten Wirtschaft kaum langfristig funktioniert. Da können die EZB und/oder Staaten noch so viel Geld in den Markt pumpen – um die Wirtschaft zu stimulieren. Aber Politiker schaffen keine Arbeitsplätze. Außer im Staatsapparat natürlich. Es geht um Gefühle und wenn man positiv drauf ist, können Investitionen losgelöst werden.

Dazu braucht es aber Visionen und dass man neugierig bleibt, für Unbekanntes, Neues. Manchmal bin ich leider auch undemokratisch als Chef. Nicht, weil ich es will, sondern weil eben Entscheidungen getroffen werden müssen. Der größte gemeinsame Nenner ist nicht mein Ziel als Unternehmer, das würde eben immer Mittelmäßigkeit bedeuten.

„Der Markt“ bestimmt nicht, welche Produkte es geben soll. Wie auch? Der Markt kennt sich ja nicht aus und hat keine Seele, er nimmt nur was da ist. Um gute Qualität zu produzieren, gibt es zwei Gebote: MitarbeiterInnen sind das höchste Gut in einem Unternehmen - und die Maximierung der Menschlichkeit ist wohl der größte Gewinn.

Menschlich bleiben und wirtschaftlich zu überleben ist eben eine Kunst. Für die es sich lohnt, manchmal Dinge zu tun die nicht logisch sind. Da kann ich entweder nur noch herum rechnen oder einfach loslegen. Eine Idee ist noch gar nix, aber doch wichtig! Die hundertprozentige Umsetzung ist das Schwierigste, aber es lohnt sich dran zu bleiben. Ja nicht aufgeben, seinen Grundsätzen treu bleiben. Es ist besser zu scheitern und ehrlich bleiben, als bedingungslos wirtschaftlich zu überleben. Wirtschaftlich zu überleben ist im Grunde ganz einfach, es ist nur eine Frage der Kompromissbereitschaft.

Ich denke, Unternehmer sein kann man auch nicht lernen. Das ist man oder eben nicht. Und jetzt geh ich Zitronenschoko kosten.

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