Fairer Handel mit Kakaobauern

Bean-to-Bar | 06. Juni 2017 | Josef Zotter

Die Nachfrage nach fair gehandelter Schokolade steigt. Dementsprechend wächst die Zahl der Fair-Labels. Aber was ist fair? Über Green- und Heart-Washing bis hin zu direktem Handel und Qualität als Schlüssel zum Erfolg.

von Josef Zotter

Wir lieben Schokolade! Unser Nachbarland Deutschland liegt im Schokoladenkonsum mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 11,5 kg auf Platz eins, noch vor der Schweiz. Österreich belegt immerhin Platz vier mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch 8,5 kg. Platz drei nehmen die Niederlande ein (laut Handelszeitung vom 15. März 2016, Statistik von Statista).

Konsum birgt auch Verantwortung. Dank der Arbeit von investigativen Journalisten und engagierten NGOs werden immer wieder Missstände auf den Plantagen angeprangert und Berichte über Kinderarbeit und Ausbeutung von Kakaobauern machen Schlagzeilen. Der Genuss von Schokolade kann eine ganz schön bittere Seite haben. Wenn Konsumenten dazu befragt werden, will der Großteil natürlich Schokolade, die „bio“ und „fair“ hergestellt wurde und definitiv auch ohne Kinderarbeit. Dementsprechend wächst der Anteil sogenannter Fair- und Bio-Labels. Sie suggerieren dem Kunden, dass er durch seinen Konsum niemandem schadet und die Kakaobauern und die Umwelt unterstützt.

Im Discounter bekommt man eine UTZ-zertifizierte Schokolade ab 0,39 € pro Tafel. Man fragt sich, was so eine Tafel um diesen Preis bewirken kann? Welchem Label kann man vertrauen? Die drei einflussreichsten Labels am Markt sind derzeit Fairtrade, UTZ und Rainforest Alliance.

Kakaoplantage in Peru

UTZ

Das Zertifizierungsprogramm UTZ Certified wurde 1997 von dem belgisch-guatemaltekischen Kaffeeproduzenten Bocklandt und der niederländischen Kaffeerösterei Ahold Coffee Company gegründet. Anders als Fairtrade und die Rainforest Alliance ist UTZ nicht aus einer sozialen Bewegung heraus entstanden. Seit 2002 gibt es das „UTZ Certified“-Label, das von der Stiftung in Amsterdam vergeben wird. Laut Selbstaussage steht UTZ dafür, „eine Welt zu schaffen, in der nachhaltiger Anbau die Norm ist. Nachhaltiger Anbau unterstützt Bauern, Arbeiter und deren Familien dabei, ihre Ziele zu erreichen und leistet gleichzeitig einen Beitrag zum Schutz der weltweiten Ressourcen – jetzt und in der Zukunft.“

UTZ ist weltweit das größte Zertifizierungsprogramm für Kakao, daneben auch für Kaffee, Tee und Haselnüsse. Die Produzenten kommen aus 36 Ländern. UTZ zertifizierte  2015 über 13 500 Produkte in 136 Ländern.

Die landwirtschaftlichen Kriterien von UTZ Certified gehen vom privatwirtschaftlichen Standard Global GAP für gute landwirtschaftliche Praxis aus. Es gibt keine festen Umweltstandards, der Verhaltenskodex sieht lediglich vor, dass Umweltgesichtspunkte in der Anbauplanung berücksichtigt werden. Die sozialen Kriterien orientieren sich an Konventionen der International Labour Organisation (ILO). Es gibt keinen Mindestpreis, sondern „verhandelbare Nachhaltigkeitsaufschläge“ und keine Vorfinanzierung. Voraussetzung für die Zertifizierung ist die Einhaltung eines Verhaltenskodex durch die Landwirte, der soziale Kriterien festlegt und Anforderungen an die Umweltverträglichkeit und effiziente Bewirtschaftung stellt. UTZ legt Wert auf eine transparente Lieferkette und zudem einen Schwerpunkt auf mehr Effizienz und höhere Ernteerträge. Durch höhere Ernteerträge erhalten die Bauern am Ende mehr Geld.

Im Grunde ist UTZ, wie viele Kritiker äußern, sehr marktorientiert und an Produktionssteigerung interessiert. UTZ äußert selbst, dass „es weder ein klassisches Fairhandels-Label, noch ein Ökolabel (sei), da konventionelle Landwirtschaft nach guter landwirtschaftlicher Praxis gefördert wird und die Preise sich über reine Marktmechanismen bilden.“

Produkte mit UTZ-Siegel müssen nicht zu 100 Prozent zertifizierte Rohstoffe enthalten. Bei Kakao liegt der Anteil bei 90 Prozent. Mass Balance (s. u.) ist bei UTZ erlaubt.

Rainforest Alliance

1986 gründete der US-Amerikaner Daniel Katz die Umweltschutzorganisation Rainforest Alliance mit, wie der Name schon sagt, dem Ziel, die biologische Vielfalt in den Tropen zu erhalten. Das Rainforest Alliance-Label wurde 2003 eingeführt. Es steht laut Selbstaussage als „Symbol für Nachhaltigkeit, für Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit, Wirtschaftlichkeit.“ Weltweit tragen mehr als 15 600 Produkte das Label, darunter Bananen, Kaffee, Schokolade, Palmöl und Tee.

Das Rainforest Alliance Siegel basiert auf dem SAN-Standard des Sustainable Agriculture Network (Netzwerk für Nachhaltige Landwirtschaft) und sieht vor, Entwaldung und Zerstörung von Ökosystemen als Lebensraum zahlreicher Arten zu stoppen. Mittel zum Zweck sind eine nachhaltige Landwirtschaft und langfristige Lebensgrundlagen für Farmer, ihre Familien und Gemeinden. In der Zusammenarbeit mit den Farmern gewährt das Siegel der Rainforest Alliance keine Mindestpreise. Die Bauern erhalten Schulungen, um eine qualitativ und quantitativ bessere Ernte zu erzielen. Die Preise sind Verhandlungssache.

Rainforest Alliance wird als NGO geführt, gleichzeitig steht die Organisation in der Kritik, der Industrie nahe zu stehen und Konzernen bei der Pflege ihres Images zu helfen. Die Vergabe des Siegels ist für die Industrie nicht mit Kosten verbunden und wird infolge dessen gern genutzt. Die Bauern indes müssen für die Audits und für die Verwaltung zahlen.

90 Prozent der Inhaltsstoffe müssen zertifiziert sein, um das Siegel zu tragen. Wenn nur 30 Prozent der Inhaltsstoffe zertifiziert sind, bekommt das Siegel einen Zusatz. Mass Balance (s. u.) ist bei Rainforest Alliance erlaubt.

Fairtrade

1997 wurde Fairtrade International als NGO mit Sitz in Bonn gegründet. Es ist ein Zusammenschluss von vielen Fair-Handels-Organisationen wie Trans Fair aus Deutschland und Max Havellaar aus den Niederlanden. Der erste Fair Trade Shop wurde bereits 1958 in den USA eröffnet.

Rund 3000 Produkte tragen das Label – der überwiegende Teil sind Lebens-mittel wie Bananen, Honig, Kaffee, Kakao, Fruchtsaft und Zucker. Rund 80 Prozent der Lebensmittel sind auch bio. Das Produktportfolio umfasst auch Blumen, Fußbälle, Gold, Baumwolle und mehr.

Fairtrade-Kakao aus Belize

Fairtrade steht laut Selbstaussage für „Faire Standards und gerechten Handel weltweit“ und gibt „die Sicherheit, dass diese Produkte die internationalen Standards für Fairen Handel erfüllen. Mit dem von Kauf Fairtrade-Produkten leistet man einen Beitrag zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Kleinbauern und Plantagenarbeiter aus den Anbauländern und zur Förderung des Umweltschutzes.“


Die Zertifizierung erfolgt gemäß FLO (Fairtrade Labelling Organizations International)-Standards. Fairtrade garantiert den Bauern einen festgelegten Mindestpreis. Dadurch sollen die Bauern vor Preiseinbrüchen an den internationalen Rohstoffbörsen geschützt werden. Wenn der Rohstoffpreis den Mindestpreis übersteigt, wird der aktuelle Börsenpreis ausbezahlt. Darüber hinaus bekommen die Bauern eine Fairtrade-Prämie, die aber nicht an den einzelnen Bauern ausbezahlt wird, sondern für gemeinschaftliche Zwecke wie den Bau von Schulen, medizinische Versorgung oder Qualitätsaufbau genutzt wird. Die Vorfinanzierung der Ernte, langfristige Abnahmeverträge und der Zugang zu günstigen Kleinkrediten sind bei Fairtrade Standard. Fairtrade hat sich aus einer reinen sozial ausgerichteten Organisation zu einer öko-sozial ausgerichteten Organisation entwickelt und Umweltschutzziele mit aufgenommen.

Produkte mit Fairtrade-Siegel müssen nicht nur einen einzelnen zertifizierten Rohstoff enthalten, sondern alle Zutaten eines Produktes, die unter FAIRTRADE-Bedingungen erhältlich sind, müssen zertifiziert sein. Im Fall von Schokolade muss neben dem Kakao auch der Zucker zu 100 Prozent zertifiziert sein. Seit 2014 wird Unternehmen die Möglichkeit gegeben, Kakao als Einzelzutat einzukaufen. Der Kakao muss zu 100 Prozent aus dem Fairtrade-Handel stammen und trägt dann das Fairtrade-Cocoa-Program-Siegel. Fairtrade hat als letzte der drei Organisationen Mass Balance eingeführt. Wer nach Mass Balance einkauft, bekommt das Standard-Fairtrade-Label; auf der Verpackung muss jedoch ein Vermerk zum Mengenausgleich angeführt werden.

Kinderarbeit versus nachhaltige Schokolade

Alle drei Organisationen führen regelmäßig Kontrollen zur Einhaltung ihrer Standards durch. Der Journalist Miki Mistrati zeigte in seiner Reportage, dass auf UTZ-zertifizierten Kakaofarmen an der Elfenbeinküste Kinder arbeiteten, die als Kindersklaven verschleppt wurden. Die Industrie räumt ein, dass es schwierig sei, alle Kleinbauern zu kontrollieren. Das stimmt natürlich. Aber man weiß auch, dass Kinderarbeit nur durch extreme Armut entsteht.

2001 unterzeichnete die Schokoladen- und Kakaoindustrie das „Harkin-Engel-Protokoll“ mit der Zielsetzung, Kinderarbeit im Kakaoanbau komplett auszumerzen. Eine vielbeachtete Studie der Tulane University (New Orleans/Louisiana) belegte, dass die Zahl der arbeitenden Kinder in Ghana und der Elfenbeinküste nicht gesunken, sondern sogar gestiegen ist: 2013/14 arbeiteten in beiden Ländern rund 2,26 Millionen Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren in der Kakaoproduktion. Das sind 443.000 mehr als noch 2008/09. Für die Elfenbeinküste ist die Zahl der minderjährigen Kakaoarbeiter zwischen 2009 und 2014 um 59 Prozent gestiegen.

Die deutsche Süßwarenindustrie hat bereits reagiert und sich ehrgeizige Ziele gesteckt. Der Anteil nachhaltig erzeugten Kakaos soll bis 2020 bei 50 Prozent liegen. 2011 lag der Anteil noch bei ca. drei Prozent, 2015 wurden bereits 39 Prozent der Süßwaren in Deutschland mit nachhaltig erzeugtem Kakao hergestellt. Bis 2025 sollen es 70 Prozent sein. Das Ziel ist richtig, aber nach wie vor fehlt eine klare Definition von dem, was nachhaltig ist.

Was ist fair?

Das Bio-Label hat klare Richtlinien und die Einhaltung der Richtlinien sind messbar z. B. anhand von Pestizidrückstände im Produkt, im Wasser, im Boden. An Bio führt kein Weg vorbei. Biologischer Anbau ist ganz klar für alle eine Win-Win-Situation: für die Produzenten, für die Konsumenten, für unsere Umwelt und für alle nachfolgenden Generationen. Es gibt wohl keine Studie, die das widerlegen könnte.

Ob eine Schokolade fair gehandelt wurde, kann man weder schmecken noch im Labor überprüfen. Deshalb ist es in diesem Bereich umso wichtiger, dass eindeutige Ziele gesetzt werden und die Wertschöpfungskette transparent und rückverfolgbar ist.

Fairer Handel mit Kakao aus Ecuador

Das Fairtrade-System ist mit Sicherheit das strengste und vertrauenswürdigste Fair-Labelling-System. Fairtrade hat zudem unsere Vorstellung von dem, was als fair gilt, geprägt. Fairer Handel definiert sich entlang der Fairtrade-Richtlinien wie Mindestabnahmepreis, Prämienzahlungen, langjährige partnerschaftliche Beziehungen auf Augenhöhe. Andere Labels schwimmen im Kielwasser mit, selbst wenn sie sich diese Ziele nicht gesteckt haben. UTZ und Rainforest Alliance proklamieren in ihren Selbstaussagen Fairness, aber sie wollen keinesfalls mit den Standards von Fairtrade gemessen werden, weil sie dabei deutlich schlechter abschneiden. Beide setzten auf freie Marktwirtschaft. Bei UTZ und Rainforest Alliance ist die Bezahlung Verhandlungssache des Einzelnen.

 

Direkter Handel

Die Crux an der Geschichte ist, dass sich alle mehr Nachhaltigkeit und Fairness wünschen, idealerweise ohne Mehraufwand und ohne Mehrkosten. Der springende Punkt ist immer noch der Preis: Was bekommt der Bauer für seine Ernte? In den letzten Jahren ist der Kakaopreis wieder gestiegen, weil auch die Nachfrage gestiegen ist. Im Moment kostet Kakao am Weltmarkt um die 3.000 US-Dollar pro Tonne. Was ein Bauer daran verdient hängt maßgeblich davon ab, wie lang die Lieferkette ist. Kurz gefasst: durch einen direkten Handel verdient der Bauer am meisten. Fairtrade unterstützt den direkten Handel. Die Bauern sind in Kooperativen organisiert und man kann direkt bei der Kooperative einkaufen, wodurch diese den vollen aktuellen Weltmarktpreis erhält. Der Kakaoanbau wird von Kleinbauern dominiert, die meistens um die fünf Hektar bewirtschaften, als Einzelkämpfer haben sie kaum eine Chance am Markt. Wenn sie sich in Interessengemeinschaften wie Kooperativen organisieren schon. Direkter Handel auf Augenhöhe ist eine der fairsten und wirksamsten Form der Zusammenarbeit.

Josef Zotter mit Kakaobauern aus Peru

Vor Ort

Man kann direkt einkaufen, man kann aber auch in die Anbauländer fahren und sich selbst ein Bild machen, mit den Kakaobauern reden, Ziele stecken, Visionen entwickeln und einander Wertschätzung entgegenbringen. Es geht im fairen Handel auch darum zu erkennen und zu zeigen, dass man die Arbeit der Bauern wertschätzt. Was soll man als Schokoladenhersteller ohne Kakaobauern machen? Der Kakaobauer ist nicht irgendein x-beliebiger Rohstofflieferant, sondern eine der wichtigsten Personen im ganzen Schokoladentrubel. Faire Preise zu bezahlen, bedeutet nicht Almosen zu verteilen, sondern die Arbeit des Kakaobauern wertzuschätzen. In einer Tonne Kakao stecken circa 86.000 Kakaobohnen. Kakaoanbau ist sehr arbeitsintensiv, erfordert viel Handarbeit und idealerweise auch viel Know-how. Interessanterweise verschlägt es nicht viele Schokoladenproduzenten in die Anbauregionen, meist kommen ausschließlich Händler, Einkäufer und Agronomen als Trainer.

Der Lebensstandard der Fairtrade-Bauern ist von Land zu Land unterschiedlich, aber niemand wird reich. Dabei bewegen wir uns in den privilegierten Gefilden des fairen Handels und zudem in Süd- und Mittelamerika, wo die Bauern schon durchschnittlich besser verdienen als in Afrika. Noch oft gibt es offene Kochstellen und einfache Behausungen inmitten der eigenen Landwirtschaft. Viele Kakaobauern sind Selbstversorger und bauen einen Großteil ihrer Lebensmittel selbst an. Immerhin gibt es Strom, die Kinder gehen in die Schule und die Kakaobauern sind krankenversichert. Meistens sind es bescheidene Verhältnisse. Die Bauern schätzen ihre Unabhängigkeit und sind stolz, dass ihre Kinder eine gute Ausbildung bekommen. Viele Kinder ziehen es vor, vom Land in die Stadt zu ziehen und in einem anderen Beruf als den des Kakaobauers zu arbeiten. Dieser Generationswandel vollzieht sich ähnlich wie in ländlichen Regionen Europas und wird Einfluss auf die Entwicklung der Kakaobranche haben.

Einige Indigene wie die Maya in Belize sowie die Chankas und Awajun in Peru, deren Lebensmittelpunkt in der Natur, oft im Regenwald, liegt, ziehen die traditionelle Lebensweise vor. Für sie ist der Faire Handel eine gute Möglichkeit, um sowohl traditionell leben zu können und als auch durch den Kakaoanbau etwas Geld zu verdienen. Denn Kakao gedeiht hervorragend im Mischanbau und ist ein perfekter „Umweltschützer“ – wenn man ihn lässt.

Qualität und Wertschöpfung

Pro Tonne Kakao bekommt die Kooperative derzeit eine Fairtrade-Prämie von 280 US-Dollar. Diese Prämie ist zwar wichtig, weil sie für soziale Zwecke wie Schulen genutzt wird, aber die beste Prämie bekommt der Kakaobauer, wenn er eine außergewöhnliche Qualität liefert. Im Moment notiert der Kakaopreis bei 3.000 US-Dollar. Für die beste Qualität zahlen wir derzeit 12.000 US-Dollar pro Tonne. Qualität ist der Schlüssel, um das Einkommen der Kakaobauern real zu steigern. Als Kleinbauer auf Mengen zu setzen, erscheint mir nicht sehr zielführend. Dagegen kann man sich als Kleinbauer sehr wohl spezialisieren, um sich durch Qualität vom Weltmarkt abzuheben. Ähnlich den Weinbauern in Österreich, die von Menge auf Qualität gewechselt haben und damit recht erfolgreich sind. Obgleich österreichischer Qualitätswein deutlich teurer ist als die Konkurrenten aus Italien, Frankreich und Spanien, kann er sich sehr gut am Markt behaupten.

Kakaobohnenlager in Peru

Qualität ist auch beim Kakao der Schlüssel zum Erfolg. Denn Kakao ist nicht gleich Kakao. Es gibt unterschiedliche Qualitätsstufen wie Nasskakao, unfermentierter oder halbfermentierter Konsumkakao, bis hin zum perfekt fermentierten und sorgfältig getrockneten Kakao. Jeder weitere Arbeitsschritt zur Veredelung des Kakaos steigert die Qualität und dementsprechend den Preis des Kakaos. Für den Bauern bedeutet das: umso mehr Arbeitsschritte er auf sich nimmt, umso stärker ist er an der Wertschöpfung des Kakaos beteiligt. Wir entwickeln die Parameter gemeinsam mit den Bauern, um die Qualität bei der Verarbeitung zu steigern. Dadurch lernen die Kakaobauern sehr viel und sind in der Lage, sich weiter zu professionalisieren.


Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Konsumkakao und Edelkakao. Unter Edelkakao werden die vielen länderspezifischen Unterarten von Criollo, Trinitario und Nacional verstanden. Forastero gilt als Konsumkakao.

Edelkakao steht für Qualität. Aber er bringt dem Kakaobauern nicht so hohe Ernteerträge wie die neuen Turboklone CCN-51 und andere. Daher schwinden die Edelkakaobestände. Alte Edelkakaobäume werden oftmals durch neue, ertragreiche Klone ersetzt, um die Erntemengen zu steigern. Viele Kakaobauern stehen unter dem Einfluss von externen Agrarberatern, die ihnen beibringen auf Menge, höhere Erträge, ertragreiche Klone und Effizienz zu setzen. Und dann verirren sich vereinzelte Edelchocolatiers zu ihnen und suchen die alten Edelkakaosorten. Es ist ein fast aussichtsloser Kampf. Dabei ist der Erhalt der alten Edelkakaosorten auch aus ökologischer Sicht wichtig, um die Artenvielfalt und den Genpool zu erhalten.

Mass Balance

Mass Balance ist die übliche Bezeichnung für den sogenannten Mengenausgleich. Als Lebensmittelhersteller, der auf Qualität und Transparenz Wert legt, stehe ich ihm kritisch gegenüber. Der Mengenausgleich erleichtert vor allem großen Konzernen den Einstieg ins Fairtrade-System. Zudem hatten UTZ und Rainforest-Alliance den Einkauf über Mass Balance im Programm. Beim Mass Balance wird einfach zertifizierter und nicht zertifizierter Kakao beim Einkauf oder bei der Verarbeitung gemischt. Entsprechend der Menge an zertifiziert eingekauftem Kakao erhalten entsprechend viele Produkte das Siegel. Problematisch ist, dass man als Konsument eine Tafel Schokolade mit Zertifikat kauft und der Kakao, der darin steckt, ist womöglich doch „blutbeschmiert“. Keine Frage, durch Mass Balance ist es für die Industrie einfacher „fair“ einzukaufen und Fairtrade kann mehr zertifizierten Kakao verkaufen. Für mich ist das eine Art Heart-Washing, weil Konzerne sich da nicht wirklich bemühen müssen, um fair gehandelten Kakao zu bekommen. Direkter Handel auf Augenhöhe scheint mir das nicht zu sein. Jeder Hersteller tut eben, so viel er kann und möchte.

Dabei schafft Fairtrade im Kakao-Bereich grundsätzlich eine hundertprozentige physische Rückverfolgbarkeit. Neben EZA Fairer Handel GmbH sind wir in Österreich trotzdem die einzigen, die ihren Kakao zu hundert Prozent physisch zurückverfolgen können. Bei jeder einzelnen Tafel Schokolade können wir den Ursprung des Kakaos bis zum Bauern zurückverfolgen. Es wäre absurd, wenn ich als Qualitätschocolatier nicht wüsste, welcher Kakao in der einzelnen Schokoladentafel steckt.

Kakaoverladung in Peru

Ausblick: G.E.E.T.

Auch wenn es Green-Washing, Heart-Washing und überall gelegentlich schwarze Schafe gibt, so gibt es auch eine starke Nachfrage nach Transparenz von Seiten der Kunden. Was wollen die Menschen in Zukunft? In punkto Lebensmittel geht es um G. = gesund, E. = ehrlich, E. = echt und T. = transparent. Wer nach dieser Formel produziert, wird Menschen ansprechen. Die Welt wird immer vernetzter, die Kunden informieren sich, da helfen Versprechungen nicht dauerhaft. Wenn man nach G.E.E.T. handelt, kann es eine gerechtere Welt geben, in der man dazwischengeschalteten Labels und Organisationen als „Ordnungshüter“ nicht mehr braucht. Ein Traum?

Dieser Beitrag erscheint ebenfalls im journal culinaire, Kultur und Wissenschaft des Essens, Edition Wurzer & Vilgis, No. 24/2017 mit dem Schwerpunkt Schokolade.

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