Genuss - was das eigentlich heißt

Josef Zotters Kopfstände | 18. August 2016 | Josef Zotter

Josef Zotter im Kakaobohnenlager

Ein lauer Sommerabend, eine leichte Brise, dazu ein erfrischender Fruchtsaft oder ein leichter Wein, eine Käseplatte und eine Tafel Schokolade. Ist das Leben nicht schön? Schon, aber Genuss ist schon eine schwierige Sache.

Als ich noch klein war, hat die Mama ja das Essen bestimmt. Da gab's Süßigkeiten vielleicht in kleinsten Mengen alle paar Tage einmal. Fleisch hat man bei uns vor allem am Sonntag gegessen, den Rest der Woche eher weniger. Gut, damals gab es diese tollen Lebensmittel auch noch nicht überall und schon gar nicht um einen Preis, der es zuließ, dass man täglich Schoko, Fleisch und Co. futtern konnte.

Genuss, so lehrt es das Wörterbuch, ist eine Freude, etwas Lustvolles, eine Gaumenfreude. Kurz gesagt, eine sehr schöne Sache. Der Mensch allerdings isst jeden Tag, der grundsätzliche Zweck ist es, so viel Energie aufzunehmen, wie am Tag benötigt wird. Genussmittel sind dann eher so die Kirsche auf dem Schlagobers des Kuchens, oder?

Nun ist es aber heutzutage so, dass wir die Dinge, die diese Kirsche darstellen, fast an jeder Ecke um eh kaum Geld kaufen können. Was früher Genuss war, ist heute integraler Bestandteil eines Menüs, das wir uns täglich zu Gemüte führen. Da fragt man sich dann schon, was überhaupt noch ein Genussmittel ist.

Denn wenn es alles und das noch dazu in Massen gibt, dann wird es zumeist billiger sein. Zudem leidet meistens dann die Qualität. Ich mein, Sie können die Zotter-Schokolade eh auch billiger herstellen. Nur was kauft man denn dann? Wenn man hier in Bergl die Qualitätsansprüche, die man an sich selbst hat, nicht mehr umsetzt, dann kann es doch nicht mehr so gut sein. Aber halt billig.

Da muss ich mir schon die Frage stellen, ob es ein Hochgenuss ist, wenn sich nur mein Geldbörsel drüber freut. Ich plädiere dafür, dass Genuss etwas Außergewöhnliches ist. Um eine Zotterschoki kann man sich sicher die doppelte oder dreifache Menge beim Diskonter kaufen. Aber Genuss muss ja nicht täglich sein.

Wie geil schmeckt eine Schokolade, wenn man sich ein paar Tage drauf freuen kann? Erhöht das dann nicht – richtig! - den Genuss?

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