Ich fasse den Hass im Netz einfach nicht

Josef Zotters Kopfstände | 21. Januar 2020 | Josef Zotter

Josef Zotter im Kakaobohnenlager

Irgendwas muss gegen den Hass im Netz getan werden. Das zeigt nicht zuletzt die Kampagne gegen die neue Justizministerin Alma Zadic.

Ich weiß auch nicht, welchen Ansatz man wählen soll. Vielleicht hilft es, wenn man sich in Online-Foren wenn schon nicht mit dem eigenen Namen in der Öffentlichkeit, aber zumindest mit einem Identitätsnachweis anmelden muss? Also der für alle sichtbare Namen kann dann weiterhin irgendeiner sein und trotzdem ist schnell herausfindbar, wer dahinter steckt – wenn es strafrechtlich relevant ist. Denn: Ausweispflicht gilt ja. Wird man auf der Straße wegen eines Verstoßes gegen die Straßenverkehrsordnung aufgehalten, dann muss man schließlich auch den Führerschein vorweisen.

Das ist natürlich schon auch heikel, wenn Google, Facebook, Medium X und Y etwa eine Kopie des Reisepasses haben. Weil, so ehrlich muss man sein, wenn man sich durch Facebook scrollt, dann posten da schon sehr viele Menschen sehr viel Unglaubliches, auch mit ihrem wohl echten Namen.

Vielleicht hilft am Ende auch nur wieder mehr Sensibilisierung. Ich glaube ja nicht, dass irgendjemand, wenn er die neue Justizministerin auf der Straße sieht, einfach hinrennt und ihr das ins Gesicht sagt, was online gepostet wird. Ich mein, wenn ich jetzt sagen würde: „Esst kein Fleisch mehr.“, dann würden sicher relativ viele Menschen die altbekannten Sachen drunter posten. Vielleicht würde auch der eine oder andere schreiben: „Zotter, du Volltrottel“ oder „Wenn I di erwisch, dann pick i dir ane“ - das gute und gleichzeitig schlechte: Er/Sie wird’s eh nicht tun.

Bei Alma Zadic kommt allerdings noch einiges dazu. Und das stelle ich bewusst an den Schluss meines Beitrages: Sie ist hoch gebildet, jung, hat Migrationshintergrund, kommt von einer eher linken Partei und ist noch dazu eine Frau – das sind alles Dinge, die viele Menschen grundsätzlich furchtbar finden, aus welchem Grund auch immer. Und diese Dinge sind weitaus schlimmer für alle Beteiligten, als wenn es um mich ginge, einen bissl älteren, weißen Mann.

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