Klare Namen für klare Verhältnisse

Josef Zotters Kopfstände | 22. Dezember 2016 | Josef Zotter

Josef Zotter im Kakaolager

Gerade die vergangene Stichwahl zur Bundespräsidentschaft hat eines gezeigt: Hasspostings nehmen überhand. Ich hätte da eine Idee dazu.

Stellen Sie sich folgende Situation vor. Sie fahren mit dem Auto und jemand schneidet Sie. Nicht wenige hupen, betätigen kurz das Fernlicht, zeigen den Vogel oder einen anderen Finger. Dem Ärger ist Ausdruck verliehen. In den allermeisten Fällen werden Sie den, den Sie da quasi per Zeichen beschimpft haben, nie wieder sehen, nichts passiert. Jetzt stellen Sie sich vor, Sie beide parken kurz nach dem Manöver nebeneinander. Ich denke nicht, dass viele nun genau so reagieren wie im geschützten Bereich des eigenen Autos.

Genau so verhält es sich meiner Meinung nach im Internet. Wir lichthupen, pöbeln, schreien, zeigen den Vogel - außer stillem Ärger passiert doch nichts, oder? Denn die Stimmung verändert sich. Wenn alle überall immer wüst herum schimpfen, dann macht das etwas mit uns. Wir werden zornig. Und der eine oder andere geht dann tatsächlich raus und denkt sich, dieses Herumgepöble ist auch in der echten Welt ok. Weil im Internet, da bekommt man für üble Beschimpfungen ja auch Likes, also Applaus.

Viele Menschen machen das online unter ihrem echten Namen, viele unter nicht-Echten. Es gibt viele Statistiken, die zeigen, dass eine Klarnamenpflicht, also „Hans Huber“ statt „Motorsportfan65“, wenig bringen. Das kann eh sein. Aber was, wenn ich beim Registrieren für Facebook, Twitter und alle Foren auch noch Wohnadresse und Telefonnummer auf einem (sicheren) Server hinterlegen muss. Das bekommt dann schon einen ganz anderen Touch der Ernsthaftigkeit.

Wenn eine Behörde nicht mehr lange eine IP-Adresse, von der das Hassposting kam, ausforschen muss, sondern bei den entsprechenden Websites über den kurzen Dienstweg nachfragen kann, wer schon wieder so einen Blödsinn geschrieben hat, denken manche vielleicht mehr nach. Denn ich glaube nicht, dass vielen bewusst ist, dass es nicht „das Internet“ und „die echte Welt“ gibt, sondern dass das alles eine Welt ist und eine Beschimpfung online genau so zu verstehen ist wie von Angesicht zu Angesicht.

Neulich twittere eine Fernsehmoderatorin, sie würde alle Menschen, die sie beschimpfen und herabwürdigen anzeigen. Gute Sache, wenig bis nix ist passiert. Aber ist das wirklich notwendig? Und ernsthaft: Wie oft würden Sie einfach so einem wildfremden Menschen ins Gesicht sagen: Ich stech' dich ab, du Arschloch! Kaum wer macht so etwas, denn dann kommt sofort eine Anzeige oder schlimmeres. Aber genau das passiert tagein, tagaus im Internet. Schaffen wir klare Verhältnisse!

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