Klimaschutz ohne harte Einschnitte wird sich nicht ausgehen

Josef Zotters Kopfstände | 30. Oktober 2018 | Josef Zotter

Josef Zotter im Kakaobohnenlager

Ich bin verärgert. Nicht nur tut man meiner Meinung nach zu wenig, um Klimaschutzziele zu erreichen, sondern versucht das auch noch mit „Anreizen“.

Ich will gar nicht daran denken, dass man auf manchen Strecken nun 140 km/h fahren darf. Das sind 20 Prozent mehr Emissionen als bei 130,…. 50 Prozent mehr als bei 100. Gleich schnell wären sie auch ungefähr. Ja, sie sind mit durchschnittlich 100 km/h ungefähr in drei Stunden von Wien aus in Salzburg. Mit 140 geht es schneller – sofern sie das durchfahren. Am Ende werden Sie wohl eh nicht schneller sein. Wer wirklich Gas geben will, muss den Flieger nehmen. Der braucht gerade einmal 50 Minuten. Aber.

Das Aber ist sehr, sehr, sehr groß. Weil es einfach ungemein schlecht für die Umwelt ist, zu fliegen und Auto zu fahren. Vor allem, weil es ja alles so billig ist. Benzin und Diesel sind im Europavergleich viel billiger. In Österreich kostet ein Liter Super 1,3 Euro, in den Niederlangen satte 50 Cent mehr. Und Kerosin, das Benzin für Luftfahrt? Dafür zahlt man in Österreich nicht einmal Steuern!

Es heißt ja immer: Ich kann eh nix für das Klima tun. Das stimmt eben gar nicht. Wir müssten viel mehr mit den Öffis fahren.

Natürlich muss dafür viel ausgebaut werden. Wenn ich von Feldbach nach Graz fahren will, dann gibt es da nur eine eingleisige Bahnstrecke. Das ist doch ein genau so schlechter Witz wie der Umstand, dass man in Österreich keine Kerosinsteuer hat!

Dann heißt es immer, man müsse Anreize setzen. Nein, das sehe ich falsch. Es tut mir leid, liebe Freunde der riesigen SUVs und Städtereisen von Wien nach Paris – euch muss man massiv zur Kasse bieten, dass man nicht um einen Miniobulus von hier nach da kommt.

Mit gut zureden wird das leider nichts, so meine Befürchtung. Auf der anderen Seite muss dieses Geld, dass durch höhere Steuern auf den Individualverkehr eingenommen wird, auch wieder in den öffentlichen Verkehr investiert werden. Und wir alle müssen uns daran gewöhnen, dass wir für den Wochenendtrip nach Paris halt den Zug nehmen müssen.

Ja, da ist man 10 Stunden unterwegs. Aber sind wir da wirklich schneller, wenn wir mal zum Flughafen müssen, dort zwei Stunden vorher sind, 2 Stunden fliegen, eine Stunde am Flughafen warten und dann eine Stunde mit dem Zug zum Bahnhof in der Stadt. Ist auch nicht viel mehr Zeit, oder?

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