Maya-Kakao aus Belize

Bean-to-Bar | 05. Juli 2016 | Josef Zotter

Mayakultur Belize

Josef Zotter traf in Belize die Urväter der Schokolade, lernte, wie man   Trinkschokolade nach Maya-Art mixt, entdeckte eine Schokofabrik im Dschungel und genoss verkohlte Bananen beim Tempelpicknick. Der Dokumentarfilmer  Roland Wehap hat Josef Zotter, seine Frau Ulrike und seine kleine Tochter Valerie begleitet und einen Kakaofilm über die Kultur der Maya, die noch quicklebendig ist, und über die überwältigende Schönheit der Natur in Belize gedreht.

Belize ist ein Geheimtipp, den gerade einmal Taucher kennen, weil dort das zweitgrößte Korallenriff der Welt liegt, mit dem Blue Hole, dem kreisrunden Krater, der 135 Meter in die Tiefe abfällt und für Taucher ein echter Adrenalintrip ist. In Belize kann man sich auch einfach eine Taucherbrille aufsetzen, und schon fühlt man sich wie in einem Aquarium: Es wimmelt von Fischen, Mantas und Meeresschildkröten, die neben einem dahinschweben, und es gibt Korallen, die so groß wie Bäume sind – es ist einfach unglaublich! Auch an Land ist Belize ein Ökoparadies mit einem Bilderbuchdschungel voller Lianen, Orchideen, wunderschöner Wasserfälle, Jaguare, Brüllaffen, mit unendlich vielen Vögeln, wie Papageien, und entlang der Küste wachsen Mangrovenwälder. Die Natur ist ein Traum: Nirgends sieht man Müll, Plastikflaschen oder Spuren von Zivilisation, außer am Hotspot in Belize City, wo die Kreuzfahrtschiffe anlegen, ein paar Yachten im türkisblauen Wasser schwimmen und der Hubschrauber, der zwischen Vögelzwitschern leise dahinbrummt und Leonardo DiCaprio zu seiner Insel bringt.

Urwald in Belize

Josef Zotter trifft Maya, die Urväter der Schokoladenkultur

Im ganzen Land leben nur 320.000 Einwohner, die meisten in Belize City, und mit einer Fläche, die gerade einmal so groß ist wie die Steiermark und Salzburg zusammengenommen oder Hessen, ist Belize auch wirklich kein Riesenland. Im Norden Mexiko, im Westen Guatemala, vis-à-vis Kuba und im Landesinnern ein Schmelztiegel der Kulturen mit Latinos, Kreolen, Garifuna, Mennoniten und Maya. In Belize leben wirklich noch Maya, die Urväter der Schokoladenkultur, und kultivieren Kakao mitten im Dschungel. Unfassbar, Belize taucht auf gar keiner Kakaoweltkarte auf, obwohl hier ein jahrhundertealtes Wissen überliefert wird. Wir sind hier am Ursprung des Kakaos bei den Maya, zu deren Kultur Kakao so selbstverständlich gehört wie ihre Tempel, von denen es in Belize nur so wimmelt. 1.400 Maya-Ruinen soll es in Belize geben, das in seiner Blütezeit (um 250–900 n. Chr.) mit einer Million Einwohnern zum Zentrum der Mayakultur zählte, die sich über Südmexiko, Guatemala, Belize, Honduras und El Salvador erstreckte. 900 n. Chr. brach das Maya-Imperium aus ungeklärten Gründen zusammen, doch in Belize waren die Maya-Stätten bis zum 16. Jahrhundert bevölkert. Erst als die spanischen Eroberer kamen, flüchteten die Maya in den Urwald, wo sie bis heute leben. 50 % der Landesfläche steht in Belize unter Naturschutz. Eine ideale Voraussetzung für die Maya, die komplett autark leben und sich selbst versorgen. Sie kultivieren Kakao, ein bissl Kaffee und Bananen, aber hauptsächlich für sich selbst.

Kakaofrüchte aus Belize

Ich habe noch nie so eine lebendige indigene Kultur gesehen, die so stolz ist, in sich ruht und einfach mit dem zufrieden ist, was sie hat.

Kakao gehört ganz selbstverständlich zur Kultur. Bei jedem Bauern, den wir besuchten, gab es erst einmal Trinkschokolade. In China trinkt man Tee, in Äthiopien Kaffee, und bei den Maya wird man auf einen Becher Trinkschokolade eingeladen, die aus Kakao und Wasser gemixt wird. Man sitzt in der Holzhütte, während die Frauen die Kakaobohnen am offenen Feuer rösten und der Kakaoduft die Luft erfüllt. Dann brechen sie die Bohnen auf und schütteln die Schalen beim geöffneten Fenster hinaus. Jeder hat eine Steinwalze im Haus, um den Kakao zu vermahlen und daraus Kakaokugeln zu formen, die man sich auf Vorrat legt. Wenn man Lust auf Schokolade hat, dann nimmt man die Kugel und löst sie im heißen Wasser auf, nie in Milch. Der Geschmack ist etwas ungewohnt, und die Trinkschokolade erinnert sehr stark an Tee, weil sie sehr dünn ist und nicht so üppig und dick wie in Peru. Dafür trinkt man in Belize ständig Schokolade, die bitter und süß ist, weil die Maya dafür einen ganzen Bienenstock aus dem Wald holen, ihn einfach auf den Boden hauen und die Honigwaben entnehmen.

Trinkschokolade trinkt man in Belize wie bei uns Kaffee

In jedem Haushalt schmeckt die Trinkschokolade anders, einige experimentieren auch und würzen die Trinkschokolade mit Pfeffer, Kardamom, Sternanis oder Gewürznelken.

Kakaoblüte

Die Maya kennen sich hervorragend mit Kakao aus, weil sie ihn selbst verwenden und es ein Teil ihrer Kultur ist. Außerdem kennen die Maya die Spielregeln der Natur und nutzen diese, um einen perfekten Kakao anzubauen. Ich bin noch nie so viel durch den Dschungel gelaufen wie in Belize, denn jeder Bauer hat einen halben bis zu einen Hektar Kakao, der in Mischkulturen mitten im Regenwald gedeiht. Im Unterschied zu anderen Anbauländern –und ich kenne wirklich viele! – wächst der Kakao nicht auf einer Fläche, sondern verteilt auf fünf bis sechs kleinen Parzellen. Von einer zur anderen Parzelle läuft man schon einmal eine halbe Stunde, um zum nächsten Kakaobaum zu kommen.

Auf den Wegen kommen einem bestenfalls Esel und Pferde entgegen, die die Bauern allein mit der Ernte losschicken, damit sie sie nach Hause tragen. Die Tiere kennen ihren Weg, und es gibt auch nur diesen einen schmalen Pfad, der von der Hütte bis zum Kakaobaum führt.

Auch den Mais, den die Maya für ihre heiß geliebten Tortillas nutzen, pflanzen sie nur in ganz kleinem, vorgartenartigem Maßstab an und nie in der Ebene, immer am Berg, damit die Pflanzen keine Pilzkrankheiten bekommen.

Biologischer Anbau ist ein Teil der Kultur

Wir wandern durch den Regenwald, alles Grün in Grün, aber die Maya deuten auf dieses und jenes Kraut und erklären, welchen Nutzen und Sinn es hat, warum es gerade hier wachsen muss und wie biologische Symbiose funktioniert. Ab und zu schneiden Sie ein Pflänzchen ab und lassen mich kosten. Geniale Sachen, die es aber nie in Europa geben wird, weil sie nur hier gedeihen und absolut nicht zum Transport geeignet sind. Auch der Kakao ist eine Rarität und der teuerste, den wir im Programm haben. Pro Tonne zahlen wir 6.000 US-Dollar, obwohl der derzeitige Börsenpreis bei 2.500 US-Dollar liegt. Aber der Belize-Kakao ist perfekt fermentiert und getrocknet, das ist einfach Spitzenkakao, der jeden Cent wert ist. Es gibt nur sehr wenig davon, maximal 10 Tonnen pro Jahr, aber das ist auch logisch, wenn man bedenkt, dass nur einzelne Bäume, die verstreut im Regenwald stehen, geerntet werden und ein Teil des Kakaos sowieso für den Eigenbedarf gebraucht wird. Außerdem ist das Lohnniveau in Belize viel höher als anderswo. Niemand wird hier reich mit Kakao, aber Kakao sichert die Unabhängigkeit der Toledo Cocoa Growers und die Kultur der Maya, die sonst nur die Möglichkeit haben, sich als Putz- und Hilfsarbeiter in den schicken Ressorts der ausländischen Investoren ihr Geld zu verdienen.

4 Generationen einer Familie in Belize

Kakao ist in Belize Vergangenheit und Zukunft, das konnten wir sehr schön auf der Drei-Generationen-Plantage sehen, wo uralte riesige Bäume standen, die einem 83-jährigen Bauern gehören und seine Pensionsversorgung sind, sein 61-jähriger Sohn hat einen Teil der Kakaobäume bekommen und wieder einen Teil an seinen eigenen Sohn, der 36 Jahre alt ist, weitergegeben. Der junge Kakaobauer sprüht förmlich vor Energie, hat jede Menge neuer Kakaobäume gepflanzt, die er veredelt, schneidet und pflegt. Es gibt auch ein neues Projekt, dafür sammeln die Bauern Gehölz im Regenwald, machen es zu Holzkohle und setzen sie als Wasserspeicher für die Kakaobäume ein, um besser über die Trockenzeit zu kommen. Damit verbessern die Kakaobauern auch die CO2-Bilanz und können zusätzlich mit CO2-Zertifikaten ein kleines Nebeneinkommen generieren. Die Maya haben eben ein sehr ausgeprägtes Bewusstsein für Ökologie.

Ganz anders als die Mennoniten, die ursprünglich aus Deutschland und Holland stammen, um die Welt zogen und seit 1958 auch in Belize leben. Das sind Turbobauern, die nur auf Monokulturen setzen und das gesamte Fleisch- und Gemüsebusiness beherrschen. Die Mennoniten haben sich völlig von der karibisch-lateinamerikanischen Kultur abgekapselt und leben nur für Gott und die Arbeit. Musik und Tanz sind verboten, selbst Witzeerzählen ist verpönt. Die Männer tragen immer blaue Latzhosen, Vollbärte und Hut, die Frauen Tracht und Häubchen. Sie heiraten nur untereinander und sind der absolute Kontrast zu den Maya.

Die Maya haben ihre eigenen Hühner und Schweine, alle anderen kaufen ihr Fleisch und Gemüse bei den Mennoniten. Unser mayanischer Fahrer, der an der Universität in Belize Landwirtschaft studiert hat, erzählt uns stolz, dass er Großbauer ist und 100 Hühner hat, die im Freien leben und die er erst nach 6 Monaten selbst schlachtet und dann gemeinsam mit seiner Mutter rupft. Er bietet sie nicht auf dem Markt an, neben den billigen Massentierhaltungshühnern der Mennoniten, sondern nur ab Hof. Wer ein Huhn haben möchte, muss zu ihm kommen. Er kann gut davon leben und ist zufrieden. Sein ganz großes Ziel ist es, einmal 150 Hühner zu halten – nicht mehr. Das ist typisch für die Maya, sie wollen nicht mehr und bauen am liebsten alles, was sie brauchen, selbst an. Sie verzichten ganz freiwillig auf Fernseher und Handys und basteln sich stattdessen ihre eigenen Instrumente, aus Baumstämmen geschnitzte Harfen, Geigen und Cellos.

Die Maya leben mit der Veränderung und wissen sich immer zu helfen, sie wissen, dass es jetzt auch in der Trockenzeit regnet und dass sich die Regenzeiten verschieben. Sie leben mit den Hurrikans, die immer wieder auf Belize treffen und die Dächer von den Hütten reißen. Praktischerweise knickt der Hurrikan dabei auch gleich die Palmen um, deren Blätter die Maya dann abschneiden, um sie zu binden und binnen eines Tages wieder alle Hütten zu decken.

Ein Picknick beim heiligen Mayatempel

Die Maya sind perfekte Gastgeber, und wir aßen wunderbare Speisen und verkohlte Bananen bei einem Picknick am Fuße eines Mayatempels. Ironischerweise ist verkohltes Gemüse bei uns derzeit extrem angesagt, und die Fachzeitschriften sind voll davon – wieder so ein Trend, dessen Ursprung eigentlich bei den Maya liegt.

Mitten im Regenwald haben wir noch eine kleine Schokoladenfabrik entdeckt. Über der Holzhütte hing das einladende Schild „Cotton Tree Chocolate Factory“, wo auf 30 Quadratmetern tatsächlich aus Kakaobohnen Schokolade entsteht. In der Mitte ein einzelnes Verkaufsregal mit den händisch hergestellten Tafeln, die zwischen 6 und 9 US-Dollar kosten. In Belize ist Tafelschokolade nur etwas für Touristen, am Flughafen muss man für die 40-g-Tafel rund 8 Dollar hinlegen. Kein Belizer kann sich das leisten. Aber diese Schokohütte hat mir unglaublich gut gefallen.

Ein Stück Maya-Kultur im Dokumentarfilm und als Schokolade

Mit der Schokolade und dem Film „Das Gold der Maya“, der in unserem Kakao-Kino läuft, wollen wir ein Stück Maya-Kultur nach Österreich bringen. Im Film gibt es ganz lässige Musik von den Garifuna, die auch in Belize leben und Rastafrisuren bis zum Boden haben, einige zumindest, und die anderen aber mindestens bis zum Hintern. Wir haben die Garifuna gefragt, ob sie Lust hätten, die Filmmusik zu machen und zu trommeln und zu singen. Wir wollten uns um 4 Uhr treffen, um 5 waren sie immer noch nicht da, und um halb sieben sind sie schließlich aufgetaucht und haben gleich ein Schokoladenlied für uns komponiert. So ist Belize, es hat seinen eigenen Rhythmus, überrascht und übertrifft die Erwartungen.

Produkte

Mit der Labooko Belize Toledo 82 % und Labooko Belize Special mit 72 % Kakao feiern wir die einzigartige Maya-Kultur und den Ursprung des Kakaos. Einfach kosten, genießen und die Taucherbrille aufsetzen.

Instagram

Facebook