Overtourism – Der Wald nebenan ist auch nett

Josef Zotters Kopfstände | 13. Juni 2019 | Josef Zotter

Josef Zotter im Kakaobohnenlager

Immer mehr Städte lehnen zu viel Tourismus ab. Von Barcelona über Venedig bis Rom und Paris gibt es zu viele Touristen. Ich hätte da eine Lösung.
 
Vorneweg: Ich habe freilich nichts dagegen, wenn jemand sich einen Lebenstraum erfüllt und sich die Mona Lisa in Paris oder die Sagrada Familia in Barcelona ansehen will. Dummerweise sieht man erstere nur noch mit dem Ferngucker, selbst wenn man im Louvre ist und bei zweiterem kann man auch nicht mehr einfach hinlatschen, sondern muss sich am Vortag im Internet für ein Zeitfenster entscheiden. Und fragen sie mal einen Venezianer oder Mallorquiner, was er vom Tourismus hält ...
 
Wir als Menschheit neigen leider dazu, alles zu übertreiben. Millionen Touristen in Ministädten, riesige, die Umwelt verpestende Ozeandampfer in fragilen Lagunen, Sauftourismus zum Pauschaltarif. Wären mir die Haare nicht schon größtenteils ausgefallen, ich würde sie raufen!
 
Wie gesagt, ich verstehe jeden, der sich die Dinge ansehen will. Wer aber noch unschlüssig ist beim Sommerurlaub, sollte vielleicht an den Millstätter See statt an Mallorca, das Waldviertel statt den Jakobsweg oder die Südoststeiermark mit seinen ausgezeichneten Weinen und der wunderschönen Natur denken. Denn viele von uns waren schon auf den Malediven und am Nordkap, haben von Blockheide, Klapotetz oder dem Gesäuse maximal in der Zeitung gelesen.
 
Ich rede hier von den Wochen Urlaub, die wir unbedingt brauchen, damit wir in unserer zum Teil absurden Arbeitswelt funktionieren. Und sind wir doch alle Mal ein bisschen ehrlich mit uns: Mit dem Zug in Österreich herum fahren, aussteigen und genießen ist doch auch besser, als in den Flieger eingezwängt oder in kleine Kabinen eingesperrt im Pauschalreisen“paradies“ anzukommen und nur im Kopf zu haben, dass man sich jetzt bitte unbedingt entspannen soll, weil man ja so weit gereist ist. Mal abgesehen von dem Punkt, dass diese Art und Weise von Urlaub auch maßgeblich zur Verdreckung und der Erhitzung unseres Planeten beiträgt. Zumal die lokale Wohnbevölkerung meistens auch gar nicht so viel von „uns“ profitiert, wie wir uns vielleicht gerne einreden.
 
Ernsthaft: Das Gute liegt so nah und so mancher kennt sich in Mailand und Madrid besser aus als auf den oststeirischen Hügeln. Ich weiß, ich war auch schon viel unterwegs. Aber Reisen dient auch dazu zu verstehen, wie schön es daheim ist.

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