#ParadisePapers – es könnte so leicht sein

Josef Zotters Kopfstände | 21. November 2017 | Josef Zotter

Josef Zotter im Kakaobohnenlager

Der neueste Datenleak, diesmal hauptsächlich von der Kanzlei Appleby, deckt legale Steuervermeidung der Reichen, Schönen und Mächtigen offen. Das könnte ganz leicht bekämpft werden.

Wer ein einfacher Angestellter ist, zum Beispiel hier bei mir in der Firma Zotter, der muss seine Steuern in Österreich abführen. Beziehungsweise macht meine Buchhaltung das für ihn. Ich als Chef könnte wohl schon einige Euro sparen, wenn ich „steuerschonend über Lizenzbeiträge auf Sonneninseln “ verschiebe.

Das Schlimme daran ist, dass man in der sogenannten freien Marktwirtschaft, leider nur über den Preis gemessen wird. Ja, dieses System macht eben erfinderisch. Mich aber nicht, denn es ist schon eine moralische Frage, ob man Steuern zahlt oder nicht; zumindest ab einem gewissen Einkommen.

Moral ist aber keine Instanz. Es braucht da wohl einfach neue, knallharte Gesetze. Gewinne müssen weltweit dort versteuert werden, wo sie entstehen. Was ein Multi in Österreich einnimmt, soll er hier versteuern. Wenn's in den Niederlanden „billiger“, also steuerschonender wäre, die Gewinne geltend zu machen – na, dann darf der Konzern halt hier nichts mehr verkaufen.

Das muss dann weltweit so gelten. Der Euro, Dollar oder Yen, der in Aruba, Buxtehude, Riegersburg oder am Cap Horn eingenommen wird, soll gefälligst dort versteuert werden. Punkt. Ich weiß echt nicht, was daran so schwierig sein soll ...

Es ist ja so: Kleine Unternehmen arbeiten meistens effizienter als große. Zehn Malerei-Betriebe mit je drei Angestellten haben wohl weniger Verwaltungsaufwand insgesamt als ein riesiger Betrieb mit 30 Angestellten, Buchhaltung, Abteilungen der/die Chef (und seine Familie) beutet sich mehr aus und so weiter. Aber durch die Steueroptimierung (und zig andere Grauslichkeiten) erschleichen sich die Konzerne Vorteile. Das ist sehr unfair, den kleinen Betrieben gegenüber und freilich auch den normalen Angestellten, die ja nie genug Geld haben werden, um es in Steueroasen zu bunkern.

Ich vertraue nicht darauf, dass es von oben herab kommen wird. Die EU versucht schon seit den letzten Leaks, den sogenannten Panama Papers, innerhalb der EU Steuergerechtigkeit zu schaffen. Ein Bremser: Österreich.

Es ist also wohl viel mehr unsere Aufgabe – die Angestellten und die, die die Moral nicht wegen ein paar Euro mehr über Bord werfen – hier aufzustehen und die Regierungen dazu zu drängen, all die legale Steuerflucht zu bekämpfen. Oder sie beschließen eben weltweit gleiche Gesetze – es könnte ja so einfach sein!

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