Unsere Gesellschaft ist bunt - wer ist schon „normal“?

Josef Zotters Kopfstände | 10. Oktober 2017 | Josef Zotter

Josef Zotter im Kakaobohnenlager

Was ist ein „normaler Mensch“? Ich denk, den gibt es nicht. Aber es gibt wohl ein paar Dinge, die wir als „normal“ ansehen. Beispielsweise, dass ein Mensch zwei gesunde Haxen hat und zwei gesunde Händ'. Die Menschen können sich in der Sprache, die in einem größeren Gebiet um sie herum gesprochen wird, verständigen. Darüber hinaus beherrschen die meisten Menschen ähnliche Dinge, die das Hirn beschäftigen. Ich denke: ALLES ist normal. Also auch die Menschen, die viele andere als „anders“ wahrnehmen würden.

Ein Beispiel: Ein Arbeitnehmer bezieht Pflegegeld, weil er aus irgendeinem Grund beeinträchtigt ist. Dieser Mensch kommt jeden Tag von 9 bis 17 Uhr arbeiten. Er wird dabei hin und wieder von einer Pflegekraft begleitet. Das war's. Dann gibt es einen Menschen, der den oben geschilderten Maßstäben unserer Gesellschaft entspricht. Aber diese Person hat anscheinend ein aufregendes Privatleben, oder ist Künstler. Mal mag diese ein paar Monate 20 Stunden arbeiten, braucht dann wieder Überstunden, fehlt auffällig oft. Dafür gebe es da vielleicht eine Asylwerberin, die super zu Zotter passen würde, die aber nicht arbeiten darf. Welcher ist nun ein „normaler“ Arbeitnehmer aus Ihrer Sicht?

Sehen Sie, „normal“ ist ein dehnbarer Begriff. Der „normalen“ Arbeit steht dann oft, ich muss das sagen, das ausufernde Arbeitsrecht im Wege. Weil wir Menschen sind ja eben nicht nur ein Haufen von so und so vielen Charakterzügen, physischer und psychischer Gesundheit. Sondern eben viel mehr. Ich würde mir da mehr Möglichkeiten wünschen. Ja, auch mal länger arbeiten, wenn ein – was auch immer das heißt – leistungsfähiger junger Mensch mal Überstunden macht, um sich was zusätzlich leisten zu können, dafür aber mehr Geld bekommt, wenn eh schon alle Abzüge gemacht wurden.  Oder kürzer, ohne in ein finanzielles Loch zu fallen.

Alles freilich im Sinne von Arbeitsverträgen, die klar und deutlich strukturiert, beiden Seiten das geben, was sie wollen. Weil sind wir doch ehrlich: Im Grunde können wir uns eh vieles ausmachen. Es wird ja niemand mehr verpflichtet, irgendeine Arbeit machen zu müssen, Verträge können auch wieder gelöst werden. Aber die Gesellschaft oder wer auch immer redet uns ein das alles reglementiert werden muss, alles gleich sein muss, auch wenn Anforderungen in Unternehmen unterschiedlich sind! Ja und wer sagt, dass ein junger Mensch nicht „mehr arbeiten“  kann und will, weil er gerade den meisten Finanzierungsbedarf hat, dafür jemand mit über 50 nur noch 20 oder 30 Stunden arbeitet, weil es eh reicht? Dafür aber mit 70 auch noch 10 – 15 Stunden. Das würde ich im Unternehmen unbedingt brauchen - aber wir jagen die Menschen in die Frühpension?

Mit mir als Chef kann man eh über alles reden. Was wir stemmen können, das versuchen wir. Ich denke aber nicht, dass die Masse an arbeitsrechtlichen Vorschriften der heutigen Zeit Rechnung trägt, weil die von was „Normalem“ ausgeht. Aber was heißt schon „normal“? Und Vielfalt kriegen wir halt auch nur dann ins Unternehmen, wenn wir Unternehmer rechtlich sagen dürfen, was hier normal ist - gemeinsam (!) mit den Angestellten.

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