Warum ich Himbeer-Holler-Chili-Schoko mag

Josef Zotters Kopfstände | 03. November 2016 | Josef Zotter

Josef Zotter im Kakaobohnenlager

Wenn man bei uns durch die Produkte im Online-Shop scrollt, dann könnte man meinen, wir haben sie nicht mehr alle: Apfel-Karotten mit Ingwer, Caipirinha, Hanf und Mocca und so weiter. Aber es ist ein Konterpunkt zum ewig Gleichen.

Haben Sie sich schon einmal Ihr Zuhause angesehen, in die Kästen reingeschaut, die Möbel begutachtet? Ich wette, bei vielen schaut es relativ gleich aus. Möbel vom schwedischen Hersteller oder einem seiner heimischen Nachmacher, Essen von denselben drei Supermärkten, dieselben zwei verschiedenen Multimedia-Produkte und so weiter.

Verstehen Sie mich nicht falsch – das ist alles soweit in Ordnung. Viele Menschen haben weder Zeit, noch Geld sich der Marktlogik zu entziehen. Aber geht da nicht ein bisschen das Ich verloren, wenn jede Wohnung, jeder Kühl- oder Kleiderschrank dem anderen gleicht?

Genau aus dem Grund mache ich meine wohl auf den ersten Blick komischen Schokoladen. Weil wir alle Individuen sind. Und nicht immer alles gleich, gleich, gleich sein muss, nur weil es sich einige Unternehmen, die nur allzu groß geworden sind, einbilden. Dass man sich dem heutzutage nicht zu hundert Prozent entziehen kann, scheint auch auf der Hand zu liegen.

Man hat wirklich nicht so viele Möglichkeiten zu zeigen, dass man nicht nur mit der Masse mitschwimmen will. Ich will uns da nicht übern Klee loben, denn auch ich habe meine Macken. Aber dass ich eine Schoki wie die Violette machen will, die überall zu haben ist, das kann man mir nicht vorwerfen.

Es geht schlichtweg drum, nicht alles zu akzeptieren, was Marketing- und PR-Abteilungen einem so den ganzen Tag vorbeten. Vielleicht ist eine Caipirinha-Schokolade nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber wir müssen uns jeden Tag aufs Neue entscheiden, nicht wieder der Hamster zu sein, der das Rad dreht.

Etwas anders machen, das ist nicht so einfach. Aber wir sollten uns schon vor Augen führen, wem es nützt, wenn wir alles so machen, wie man es von uns erwartet. Es steht vielleicht schon in unzähligen Lebensratgebern und in Illustrierten, aber ich denke, es ist unglaublich wichtig, sich in dieser Welt zu vergegenwärtigen, was einen selbst ausmacht. Wer bin ich? Warum bin ich so und andere Menschen nicht?

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