Wie würde die Natur drucken?

Kreationen | 13. Oktober 2016 | Ellen Pichler

Wir setzen im Unternehmen Zotter alles daran, unseren ökologischen Fußabdruck so weit wie möglich zu reduzieren. Da bereits unser gesamtes Sortiment in Bio und Fair-Qualität produziert wird, war es für Josef Zotter nur konsequent, auch im Bereich der Druckprodukte radikal umzudenken und sich nach einer Methode umzuschauen, die es ihm ermöglicht, auch seine Bücher sowie alle Folder und Broschüren nachhaltig drucken zu können.

Cradle to Cradle Produkte von Gugler

So lernte er das Familienunternehmen Gugler aus Niederösterreich kennen, das seit 2011 weltweit eine der ersten Druckerein ist, die ihre Produkte ohne schädliche Inhaltsstoffe drucken und nur Substanzen verwendet, die bedenkenlos in die natürlichen Kreisläufe zurückfließen können.

Josef Zotters Biografie "Kopfstand mit frischen Fischen" wurde schon auf diese Weise bei Gugler gedruckt, ebenso wie alle aktuellen Folder und Broschüren, die ab sofort hergestellt werden. Dieses Verfahren nennt sich Cradle to Cradle™.

Josef Zotters Biografie Kopfstand mit frischen Fischen

So würde die Natur drucken

Hinter diesem Printverfahren steckt genau genommen ein innovatives Designkonzept, das die Natur zum Vorbild hat und bereits in den 1990er Jahren von Prof. Dr. Michael Braungart, William McDonough und EPEA Internationale Umweltforschung Hamburg entwickelt wurde. Übersetzt heißt Cradle to Cradle "von der Wiege zur Wiege" und beschreibt die sichere und potenziell unendliche Zirkulation von Materialien in Kreisläufen.

Im Druckbereich werden im Rahmen von Cradle to Cradle alle Produkte nach dem Prinzip einer biologischen Kreislauftwirtschaft optimiert. Die Inhaltsstoffe dieser Druckprodukte wurden erstmals in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Institutionen analysiert, ausgewählt und weiterentwickelt, sodass sie optimal für Mensch und Umwelt sind.

Gedruckt wird bei Gugler auf Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft mit speziellen Pflanzenölfarben, die frei von Bisphenol A und Mineralölen sind. Dabei ist die Qualität der Farben kaum von herkömmlichen Büchern zu unterscheiden, das Papier fühlt sich glatt und geschmeidig an. Nach dem Gebrauch können die Materialien anschließend sortenrein zurück gewonnen werden und bleiben so im Kreislaufsystem erhalten. Unsere neuen Zotter Drucksachen können sogar im wahrsten Sinne kompostiert werden und würden auch auf diese Weise in den Kreislauf zurückfließen.

Der Unterschied zwischen Recycling und Cradle to Cradle?

Wir in Österreich sind zwar Meister im Altpapiersammeln, doch leider wird beim herkömmlichen Recycling immer noch Abfall produziert. Beim Altpapierrecycling wird nur der Zellstoff wiederverwertet. Druckfarben und Füllstoffe aus dem Papier bleiben allerdings als toxischer Schlamm, der anschließend verbrannt werden muss, zurück. Dadurch gehen wertvolle Materialien ein für allemal verloren und  gleichzeitig werden neue Umweltrisiken produziert.

Bei Cradle to Cradle Druckprodukten werden schädliche Substanzen gar nicht erst verwendet, sondern durch solche ersetzt, die bedenkenlos zirkulieren und sogar nützlich sein können. So gibt es auch keinen Abfall, sondern die Schlämme aus dem Papierrecycling können für den Humusaufbau oder im besten Fall sogar als Dünger verwendet werden.

Globale Auswirkungen von Verpackungsmüll

In Indien, China und Südamerika waren es die Menschen bis vor kurzem noch gewohnt, dass man Bananenblätter und Palmblätter für die Verpackungen usw. verwendete, die man bedenkenlos wegschmeißen konnte.

Heute gibt es in diesen Ländern leider auch überall Plastikverpackungen,  und sogar noch mehr als bei uns. Das wird dann als "Luxus" bezeichnet.

Der daraus entstehende Verpackungsmüll landet einfach in den Straßengräben oder wird in den nächsten Fluss gekippt. Der wiederum bei der nächsten Regenzeit oder beim nächsten Hochwasser alles bequem wegtransportiert. Das hat, wie wir wissen, massive Auswirkungen auf die Meere und das Szenario dort hat erst begonnen. Dieses Plastik wird durch die Gezeiten zermahlen und schwimmt als Mikroplastik durch die Weltmeere, wird von Fischen aufgenommen und gelangt über den Teller zurück zu (und in!) uns Menschen.

Wieso also nicht sich rückbesinnen auf umweltverträgliche oder am besten gar keine Verpackungen, wo diese nicht nötig sind (Low Waste)?

Cradle to Cradle Revolution von Gugler

Cradle to Cradle weiterdenken

Wer die Idee von Cradle to Cradle verstanden hat, der merkt schnell, dass dieses Konzept nicht nur bei Druck und Verpackung eingesetzt werden kann, sondern in so gut wie allen Bereichen.

So wundert es mich auch nicht, dass Gugler nun das erste von Cradle to Cradle inspirierte Betriebsgebäude Österreichs baut: Alle Materialien wurden nach ökologischen Gesichtspunkten ausgewählt und sind zu 96% wiederverwertbar. Knapp ein Drittel der verbauten Materialien haben bereits ein Vorleben. So besteht die Gebäudedämmung beispielsweise aus Papierabfällen und alte Druckplatten bilden einen Teil der Außenfassade.

Große Veränderungen sind möglich, wenn sie von vielen Menschen auf der ganzen Welt mitgetragen werden. Kreislaufdenken und -wirtschaften wäre eigentlich die Lösung, um als Menschheit noch ein paar tausend Jahre auf einem lebenswerten Planeten verbringen zu können. Höchste Zeit also, dass sich mehr Menschen und Unternehmen wie Gugler damit befassen.

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