Essbarer Tiergarten

Der Chocolatier als Landwirt

Josef Zotter setzt in den nächsten 3 Jahren seine Vision vom "Essbaren Tiergarten" um. Unter dem Motto „Leben und leben lassen“ können Besucher in dieser Art kreativem Bio-Bauernhof alte Nutztierrassen kennenlernen. 26 ha stehen den Tieren und Menschen zur Verfügung. Da gibt es Hühner in Zirkuswägen und natürlich auch final ein paar Häppchen vom Tier zum Kosten. Der „Essbare Tiergarten" soll den Sinnzusammenhang zwischen Tier- Fleisch - Menschen wieder herstellen. Es geht um Erfahrung, Wissen und Respekt jenseits der Supermarktfleischpackerl, die uns zum Spottpreis nachgeworfen werden.

In Anbetracht des erfolgreichen Schokoladen-Theaters in Bergl, dürfen wir auf den Essbaren Tiergarten sehr gespannt sein. Neben dem pädagogischen Effekt kommt der Spaß bei Zotter nie nicht zu kurz – die Ideenwellen fluten bereits.

Back to the roots...

Heißt es nicht nur für Josef Zotter, der als Kind vom Lande aufgewachsen ist. Back to the roots lautet auch die Devise des Tiergartens. Josef Zotter will alte Nutztierrassen wiederbeleben. Das heißt nicht mehr die ertragreichsten Tiere werden hier gehalten, sondern einfach auch mal die schmackhaftesten. Viele der alten Nutztiere sind von den Marktflächen völlig verschwunden und fast ausgestorben. Nur in dem Wahn, der Kuh noch einen Liter mehr Milch abzupressen. 

Der Stand der Dinge

In den letzten 50 Jahren ging in Mitteleuropa der Anteil der Lebensmittel an den Haushaltsbudgets von 40% auf 10% zurück. Prognosen nach nimmt dieser Abwärtstrend weiter zu.
Hier geht es Josef Zotter, der sich seit Jahren im Privaten an dem bloßen Dasein seiner Hochlandrinder, Ziegen und Hühner erfreut, um Grundsätzliches. Es geht um die Wertschätzung  von Lebensmitteln, die sich in letzter Konsequenz auch am Haushaltbudget ablesen lässt. Es ist erschreckend zu sehen, wie achtlos manche Menschen irgendwas in sich hineinschlingen. Lebensmittel sind ja, wie der Name schon sagt, lebensspendend und dennoch werden sie von uns gnadenlos unterbewertet. Allein in Österreich wandern 150.000 Tonnen Lebensmittel direkt in den Müll. Das sind verschwendete Ressourcen. Wir sollten dringend versuchen Lebensmitteln mit mehr Achtung zu begegnen, gerade auch im Hinblick darauf, dass viele Menschen gar nicht satt werden. Das Essen muss wieder in den Mittelpunkt unseres Lebens rücken. Schließlich essen wir im besten Fall dreimal pro Tag und in den heißersehnten Urlaub fahren wir nur ein- oder zweimal pro Jahr. Also würden wir mehr davon haben, wenn wir uns auf das Essen konzentrieren, statt in ferne Länder zu streifen. Keine Frage, natürlich braucht man eine Auszeit, aber man sollte sich diese eben öfter vor Ort gönnen.

Du bist, was du isst

sagte einst der deutsche Philosoph Ludwig Feuerbach. Wie steht es also heute um uns? Josef Zotters Essbarer Tiergarten soll zum Umdenken animieren. Können wir die Massentierhaltung tolerieren nur weil wir nicht hinsehen? Nach dem Motto: „Ich sehe eh nicht wie das Tier gelebt hat, dessen Fleisch ich mir billig im Supermarkt kaufe.“ Würden wir uns tatsächlich beim Fleischeinkauf vor Augen führen, dass es sich hier um ein Lebewesen handelt und dann noch den 100% Wiederverkaufszuschlag abrechnen, dann können wir uns zumindest ausrechnen wie das Tier gelebt hat.  

Für Josef Zotter bedeutet das, wenn schon Fleisch essen, dann nur noch von Tieren aus Freilandhaltung und besser nur zweimal die Woche und dann aber mit Ehrfurcht und mit Wertschätzung dem Tier und dem Bauern gegenüber.

Im Übrigen wäre die Reduzierung unseres Fleischkonsums ein Beitrag zum Ausgleich des ökologischen Gleichgewichts und ein Riesenbeitrag zum Thema Welthunger. Denn wir wissen es noch aus Schulzeiten, für 1 Kg Fleisch muss das Zehnfache an Getreide verfüttert werden. Derzeit verbraucht jeder Europäer eine ökologische Fläche von 4,7 ha, obwohl weltweit jedem nur 1,8 ha zur Verfügung stehen.  Man nennt das den ökologischen Fußabdruck und auf wessen Kosten wir herumtrampeln ist klar: betroffen sind die so genannten Länder des Südens.
Josef Zotter besucht als Schokoladeproduzent oft seine Kakaobauern im Süden und dabei kann er live die Auswirkungen unseres Fleischkonsums sehen. Bei seinem letzten Besuch erzählten seine Bauern, die im Einklang mit der Natur in Bio und Fair wirtschaften, dass sie keine Blätter und Bäume mehr finden, um ihre Häuser im traditionellen Stil zu bauen. Rundherum ist alles gerodet, damit die Rinder grasen können.  

So gesehen sollte man doch mal eine Reise tun, trotz CO2-Emission, denn im Süden sieht man die Folgen unseres Verhaltens sehr genau.  
Und wenn der Essbare Tiergarten dann fertig ist, kann man bei uns erleben, dass es auch anders geht.

Ganz in dem Sinne: Wir können nicht die gesamte Marktwirtschaft ändern, aber uns selbst!

Artikel im Falstaff Gourmetclub