Kunst als Kick

28.06.2021

Zu den neuesten Errungenschaften in der Kunstsammlung von Josef Zotter zählt ein Zyklus von Oskar Stocker aus der Serie „Human Fat Paintings“. Zu sehen sind die Werke seit Mai 2021 im Eingangsbereich der Grünen Galerie.

Überdimensionale Gemälde, facettenreiche Portraits, bunt oder schwarz und unübersehbar. Sie haben einen starken Ausdruck und geben ihr Geheimnis nicht sofort Preis.

Ein Künstler muss mit seinem Werk in die Tiefe gehen und brisante Themen aufwerfen. Wenn das Thema „Human Fat Painting“ zum Vorschein kommt, dann wird Aufmerksamkeit erzeugt, weil im Kopf plötzlich ganz andere Assoziationen entstehen. Die Botschaft hinter den Bildern ist nicht auf den ersten Blick erkennbar, man muss sich damit beschäftigen, um zu erkennen, worum es wirklich geht.

Genau das ist die Aufgabe der Kunst, ist Josef Zotter überzeugt, widersprüchliche Themen sollen aufgezeigt werden. Deswegen ist das „Human Fat Painting“-Thema auch wichtig. Unsere Gesellschaft könnte ohne Kunst nicht existieren, denn Kunst geht in die Tiefe, setzt sich mit der Materie auseinander und polarisiert. Deshalb ist Kunst jetzt noch wichtiger als vor der Pandemie.

Wir haben Oskar Stocker zum Interview eingeladen, um seine Herangehensweise an das Thema „Human Fat Painting“ zu erläutern.

Die Museen waren länger geschlossen, die Menschen sehnen sich nach Normalität und auch nach der Kunst. Was zeigen Sie uns, Oskar Stocker?
OS
Wir sehen hier großformatige, ausdrucksstarke Porträts von drei sehr reichen Afrikanern und vier sogenannten durchschnittlichen Amerikanerinnen, die sich in den USA das Fett haben absaugen lassen. 

Stellen Sie sich vor, Sie stehen morgens vor dem Spiegel und entdecken die ersten Fältchen. Bestenfalls arrangiert man sich damit und wenn nicht, lässt man sie entfernen. Schnell und problemlos. Das ist wohl eher eine ästhetische Frage. Anders sieht es aus, wenn man mit dem eigenen Körper nicht im Einklang ist. Da lassen sich nicht wenige, Fett im Körper absaugen. Die meisten Korrekturen dieser Art gibt es weltweit in den USA, direkt gefolgt von Brasilien und Indien.

Können Sie uns auch etwas zu der Maltechnik sagen, die Sie bei diesen Porträts zugrunde gelegt haben?
OS
Wieder zurück aus USA bekam ich die Idee zu dem Werkzyklus Human Fat Paintings. Also besorgte ich mir in einer österreichischen Klinik Fett, das bei Patienten abgesaugt worden war. In einem Labor ließ ich es aufbereiten und verflüssigen. So entstand eine Paste, die ich angereichert mit Pigmenten, zum Malen der Bilder nutzte. Abschließend wurden die Arbeiten mit Lack versiegelt. Ein inspirierender Nebeneffekt: die Durchmischung aller DNAs in dieser Paste.

Josef Zotter und Sie kennen sich schon einige Zeit. Wann sind Sie sich das erste Mal begegnet? Hat es direkt zwischen Ihnen, was die Kunst angeht, gezündet?
OS
Wir haben uns vor ein paar Jahren über eine gemeinsame Freundin kennen gelernt. 2019 war er dann Gast bei erLesen, der Büchersendung beim ORF. Ich porträtierte ihn dafür und so begann auch eine Freundschaft. Mich fasziniert, wie Josef Zotter die Kunst in den Alltag überführt. 

Der österreichische Künstler Oskar Stocker (1956) lebt und arbeitet in Graz. International bekannt wurde er durch die Ausstellung Facing Nations, die über 120 Grazer Bürger und Bürgerinnen unterschiedlicher Nation in Porträts zuerst in Graz, dann in Wien und als Höhepunkt 2010 im UN-Hauptquartier in New York zeigte.

www.oskarstocker.com

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