Kakao statt Kokain

Kolumbienschoko
Pressekonferenz
Kakao aus Kolumbien

Die Schoko-Premiere 

„Es ist immer einfach zu sagen, wir wollen keinen Drogenhandel, wir wollen keine Kinderarbeit, wir wollen keine Armut. Der einfachste und sicherste Weg ist, den Bauern Preise zu zahlen, von denen sie auch leben können. Erst die Armut zwingt die Menschen zur Illegalität und zur Ausbeutung von Kindern. Weltweit funktioniert das gleiche Schema, wenn die Preise niedrig gehalten werden, dann erzeugt das Ausbeutung von Mensch und Umwelt. Wenn man alternative Anbaumöglichkeiten bietet, dann müssen auch die Preise fair sein. Sprich, alternativer Anbau und fairer Handel gehören zusammen. 234 Familien sind jetzt aus dem Kokageschäft ausgestiegen, das ist ein großartiges Ziel und dafür hat sich auch der Aufwand gelohnt“, erklärt Josef Zotter.

„Dieses mutige Projekt, das trotz großer Rückschläge umgesetzt wurde, ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die Wirtschaft in der Steiermark anders ist, als oft erzählt wird. Nämlich, dass sie sehr wohl ein soziales Gewissen hat und dass sie nachhaltig und generationenübergreifend tickt. 92 % der steirischen Betriebe sind, so wie das Unternehmen von Josef Zotter, Familienunternehmen. Familienunternehmen sind Unternehmen, die zum Teil schon seit vielen Generationen für Wertschöpfung, Arbeitsplätze und damit Wohlstand in unserem Land sorgen und somit das „Tafelsilber“ der steirischen Wirtschaft sind“, betont Präsident Josef Herk, WKO Steiermark

„Die österreichische Entwicklungszusammenarbeit des Außenministeriums verfolgt 3 Ziele: Armutsbekämpfung – Friedenssicherung – Umweltschutz. Dieses Projekt verwirklicht alle 3 Komponenten. Durch den erfolgreichen Kampf gegen die Armut wurde eine Region von der Drogenkriminalität und den fatalen Umweltfolgen der Drogenproduktion befreit. Rund 10 Prozent der in Kolumbien produzierten Drogen erreichen Europa. Mit diesem Projekt erreicht die KonsumentInnen nun Qualitätsschokolade. Ein Beispiel für Entwicklungszusammenarbeit im wohlverstandenen Eigeninteresse“, erläutert Dr. Andreas Liebmann vom Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres

Das Projekt

Bei Kolumbien denkt man zuallererst an Drogen. Seit Jahren kämpft das Land gegen dieses Image und den Einfluss der Drogenmafia. 2010 haben wir gemeinsam mit dem österreichischen Außenministerium, der UNO, genauer gesagt, dem United Nations Office on Drugs and Crime, UNODC in Wien und der kolumbianischen Regierung ein Projekt gestartet, um Kakao statt Kokapflanzungen in Kolumbien zu realisieren.

Nach 4 Jahren und zahlreichen Rückschlägen gibt es jetzt die Schokoladen-Premiere mit fair gehandeltem Bio-Kakao aus dem ersten alternativen Anbauprojekt in Kolumbien!

Das Projekt ermöglicht Kleinbauern in Kolumbien, sich aus der Abhängigkeit der Drogenmafia, der Illegalität und der Armut zu befreien. 234 Familien aus einer der ärmsten Gegenden im Nordwesten Kolumbiens, in der Gegend um Choco (!) und Acandí, pflanzen jetzt fair gehandelten Bio-Kakao statt Koka an und verdienen dadurch das Dreifache.

Die Kleinbauern aus der Kooperative Acandi-APROCAFA leben inmitten der Natur und nehmen stundenlange Flussfahrten auf sich, um diesen außergewöhnlichen Kakao zu verkaufen. „Kolumbianischer Kakao ist mit Sicherheit der aufregendste, den wir im Programm haben“, berichtet Josef Zotter. „Nach einer Serie von Rückschlägen ist das Projekt endlich zu einem Happy End gekommen. Jetzt gibt es eine sortenreine legale Spitzenschokolade, mit 75% Kakaoanteil, die nicht nur schmeckt, sondern auch ein kleiner Durchbruch im Kampf gegen die Drogenmafia ist.“

„Kakao statt Kokain“ ist ein von der ADA (Austrian Development Agency) gefördertes Entwicklungshilfeprojekt. Damit Entwicklungshilfe nicht ins Leere läuft, gibt es die Variante des Privat Public Partnership (PPP). Sprich, Zotter ist als Wirtschaftspartner in das Entwicklungshilfeprojekt eingebunden. Was sind die Aufgaben des Wirtschaftspartners? Er trägt zum einen die Hälfte der Projektkosten und zum anderen bringt die Wirtschaftspartnerschaft den Vorteil, dass der produzierte Kakao auch einen Abnehmer findet. Durch feste Abnahmeverträge und vor allem auch durch die Vorfinanzierung der Ernte haben die Bauern überhaupt eine Chance, um aus dem illegalen Drogengeschäft auszusteigen. Da die Koka-Bauern am Existenzminimum leben, sind sie leichte Beute für die Drogenkartelle. „Die Drogenkartelle finanzieren die Ernte vor“, erklärt Josef Zotter. „Deshalb kann auch kein Bauer von heute auf morgen aus dem Drogenanbau aussteigen. Erst muss er seine Rechnungen begleichen, sonst hat er gleich eine Pistole am Kopf. Deshalb ist die Vorfinanzierung der Ernte in Kolumbien extrem wichtig gewesen.“

Kakaoanbau muss sich lohnen

„Es ist immer einfach zu sagen, wir wollen keinen Drogenhandel, wir wollen keine Kinderarbeit, wir wollen keine Armut. Der einfachste und sicherste Weg ist, den Bauern Preise zu zahlen, von denen sie auch leben können. Erst die Armut zwingt die Menschen zur Illegalität und zur Ausbeutung von Kindern. Weltweit funktioniert das gleiche Schema, wenn die Preise niedrig gehalten werden, dann erzeugt das Ausbeutung von Mensch und Umwelt. Wenn man alternative Anbaumöglichkeiten bietet, dann müssen auch die Preise fair sein. Sprich, alternativer Anbau und fairer Handel gehören zusammen. 234 Familien sind jetzt aus dem Kokageschäft ausgestiegen, das ist ein großartiges Ziel und dafür hat sich auch der Aufwand gelohnt“, erklärt Josef Zotter.

10 Tonnen Kakao sind bereits angekommen und weitere 10 Tonnen sind schon in Arbeit. Im April 2015 plant Josef Zotter mit seiner Familie nach Kolumbien zu reisen, um die Kakaobauern vor Ort zu besuchen. Nach wie vor warnt das Außenministerium vor Einreisen nach Kolumbien (Sicherheitsstufe 5), insbesondere in ländliche Gebiete. Damit steht Kolumbien auf dem gleichen Sicherheitsrisikostatus wie die Ukraine und das Palästinensische Gebiet. Daher kann es sein, dass die Reisepläne kurzfristig wieder storniert werden müssen.

Erfolg und Rückschläge

Als wir 2010 mit dem Projekt begonnen haben, haben wir eine Mitarbeiterin nach Kolumbien geschickt, damit sie die Kakaobauern schult, um eine hohe Qualität in Bio zu erreichen. Denn durch Qualität können sich die Kleinbauern gegen die Massenware von Plantagen behaupten. Qualität statt Menge lautet die Devise. Leider mussten wir unsere Mitarbeiterin nach ein paar Monaten aus Kolumbien abziehen, weil das Sicherheitsrisiko zu hoch war und die strukturellen Netzwerke fehlten. „Allein gegen die Mafia“ funktioniert eben nur im Film. Die UNODC und die kolumbianische Regierung haben das Projekt weiter erfolgreich begleitet. Letztes Jahr stand die neue Kolumbien-Schokolade schon auf dem Plan, allerdings ist die Lieferung wieder geplatzt, weil beim Verschiffen der Container mit fair gehandeltem Bio-Kakao, einfach mit Pestiziden, wie es standardmäßig für konventionellen Kakao üblich ist, vergast wurde. Die Lieferung war hin, weil das kein Bio-Kakao mehr war. Deshalb waren wir förmlich aus dem Häuschen, als heuer die ersten 10 Tonnen Kakao tatsächlich bei uns eingetroffen sind, wohlbehalten als Bio-Kakao, von dem auch die Bauern etwas haben, weil er fair gehandelt ist.