Dann lieber doch die Fairtrade-Banane

Kopfstände | 24. Januar 2017 | Georg Sander

Es geht derzeit durch die Medien: Bananenplantagen werden mit Pestiziden nahezu überschüttet. Pro Hektar werden rund 40 Kilogramm Spritzmittel auf die gelbe Frucht geschüttet. Zum Vergleich: Auf einem heimischen Erdapfelacker sind es gerade einmal etwas mehr als vier Kilo. Was hilft? Fairtrade!

Wir sitzen hier im beschaulichen Österreich und wollen uns gut fühlen. Also muss Obst her. Das wird leider (gerade im Winter!) in riesigen Plantagen oder Gewächshäusern hergestellt. Und mit Pestiziden überschüttet. Denn der Mensch der westlichen Welt hat Hunger drauf. Leider zahlen die Menschen vor Ort einen hohen Preis. Wenn man kiloweise Pestizide wo drauf schüttet, kann das für die Menschen und die Umwelt nur schlecht sein.

Eine Abhilfe kann (!) das Fairtradesiegel bieten. Bei Bananen und anderswo. Und es ist ein Wachstumsmarkt. Jährlich werden mehr (und teurere) Produkte mit diesem Siegel verkauft, weil wir, die wir das Geld haben, uns gut fühlen wollen. Aber, so beschreibt es eine Wissenschaftlerin von einer amerikanischen Universität: „Ein Bauer hat zwei Säcke mit Bohnen, von denen Fairtrade nur einen abnimmt. Für Sack A (gute Qualität) bekommt er auf dem freien Markt 1,70 Dollar pro Pfund, für Sack B (schlechtere Qualität) nur 1,20 Dollar. Der Anreiz ist offensichtlich: Der gute Sack wird für 1,70 Dollar verkauft. Der schlechte geht zu Fairtrade, wo man 1,40 Dollar bekommt.“ Eventuell würde eine zusätzliche Prämie für hohe Qualität noch helfen, um das zu unterbinden!

Aber nur, weil das System ausgenutzt werden kann, wie man dann prominent immer wieder lesen kann, ist es nicht schlecht. Produzenten wie Zotter informieren sich vor Ort. Das tun nicht alle, aber in der Regel garantiert das Fairtrade-Siegel zumindest einen quasi Mindestlohn für die Bauern. Schwächen ja, aber noch immer besser als nur das Billigste zu kaufen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass in den nächsten Wochen wieder einmal ein Aufdeckerartikel zu Fairtrade kommt, der es schlecht redet. Mag sein, dass ein System von manchen ausgenutzt wird. Aber es ist immer noch viel besser als gar nix und nur so tun als ob.

Georg Sander

Über den Gastautor

Der ausgebildete Volksschullehrer und Journalist arbeitete und arbeitet seit sechs Jahren für verschiedene Medien. Das Soziale, Nachhaltigkeit und unsere Umwelt liegen ihm besonders am Herzen. Gedanken zu diesen und anderen Themen veröffentlicht er gerne unter @sander_georg auf Twitter.

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