Darum braucht es ein bedingungsloses Grundeinkommen

Kopfstände | 22. August 2017 | Georg Sander

„Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ist ein sozialpolitisches Finanztransferkonzept, nach dem jeder Bürger – unabhängig von seiner wirtschaftlichen Lage – eine gesetzlich festgelegte und für jeden gleiche – vom Staat ausgezahlte – finanzielle Zuwendung erhält, ohne dafür eine Gegenleistung erbringen zu müssen“, sagt Wikipedia. Ich sage: Her damit!

Stellen wir uns das einmal vor: Jeder Mensch bekommt einfach so – sagen wir – 1.500 Euro. Was würde das heißen? Nun, zunächst einmal verdienen nur wenige Menschen in Österreich, vielleicht ein Drittel der Arbeitenden, mehr als diese Summe. Und um 1.500 Euro, etwas mehr als der von Gewerkschaften, Frauenvolksbegehren und Co. geforderten Mindestlohn von 1.750 Euro brutto, kann man in Österreich schon leben. Nicht in Saus und Braus, aber gut.

Die Wirtschaft würde das sicherlich freuen. Denn 1.500 Euro, das wissen wir alle, verschwinden in der Regel im Laufe eines Monats eh wieder vom Konto. Den Staat würde es auch freuen, streicht er doch durch Konsumsteuern gleich wieder ein Fünftel ein. Den Arbeitsmarkt freut es auch. Viele Firmen könnten die Arbeitsleistung auf mehrere Schultern verteilen, Start-Ups zu normalen Unternehmen werden, Einzelpersonenunternehmen sicher planen und Klein- und Kleinstbetriebe mehr Angestellte haben. Finanziert werden würde das Ganze durch eine komplette Umstrukturierung von Transferleistungen. Mindestsicherung, Stipendien, Karenzgeld werden ohnehin schon ausgezahlt.

Das wichtigste aber: Die Freiheit, sich ohne Bedingungen am Arbeitsmarkt zu bewegen, wäre hergestellt. Nicht nur für die paar, die das in Österreich und Europa oft aufgrund ihrer Eltern vererbt bekommen. Wie kreativ wären wir alle, wenn wir uns um ein „Basisleben“, das 1.500 Euro garantieren, nicht mehr sorgen müssten?

Noch zwei Denkanstöße:

Wie viele Stunden unbezahlter Arbeit werden in Kinderbetreuung, Freizeitgestaltung, ehrenamtlichen Tätigkeiten erbracht? Arbeitsstunden, die notwendig sind – etwa bei der freiwilligen Feuerwehr oder bei Rettungsdiensten – aber finanziell nicht abgegolten werden?

Und: So gut wie alle Feldversuche mit dem bedingungslosen Grundeinkommen zeigen, dass die Quote derer, die dann auf der faulen Haut liegen, sehr gering ist. Es sind wohl genau die, die auch nix tun würden, wenn die Mindestsicherung statt 800 Euro nur 500 Euro betrüge. Und bei 1.500 Euro würden auch die mehr Geld in die Wirtschaft pumpen.

Georg Sander

Über den Gastautor

Der ausgebildete Volksschullehrer und Journalist arbeitete und arbeitet seit sechs Jahren für verschiedene Medien. Das Soziale, Nachhaltigkeit und unsere Umwelt liegen ihm besonders am Herzen. Gedanken zu diesen und anderen Themen veröffentlicht er gerne unter @sander_georg auf Twitter.

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