Destroyed Jeans – geht es uns eigentlich noch gut?

Josef Zotters Kopfstände | 18. April 2018 | Josef Zotter

Josef Zotter im Kakaobohnenlager

Wer in der Überschrift eine Frage stellt, der kennt die Antwort schon und die lautet meistens „Nein“. So verhält es sich auch bei der Frage nach den löchrigen Jeans.

Dass unsere Kleidung unter grausigen Zuständen in Ländern, die sich auf der Landkarte rechts und links unterhalb von Österreich/Europa befinden, genäht werden, ist weitgehend bekannt. Das ist wirklich keine gute Sache, aber leider funktioniert unsere heutige Welt so. Was mir aber noch saurer aufstößt, habe ich neulich in Peru erlebt. Denn diese Jeans, die unter widrigsten Bedingungen hergestellt werden, werden in Containern nach Peru verschifft und dort hoch professionell und nicht selten unter Einsatz von giftigen Substanzen zerrissen, damit wir hier in Europa und sonstwo mit „destroyed“, also zerstörten Hosen herumlaufen können. Ja, ich habe das mit eigenen Augen gesehen!

Da frage ich mich wirklich, ob wir alle noch ganz dicht sind! Das muss man sich mal vorstellen: Zuerst wird etwas unter billigsten Bedingungen hergestellt, um die halbe Welt geschifft, um das gerade hergestellte zu zerstören und dann geht es noch einmal weiter, damit wir cool aussehen.

Ich bezweifle da wirklich den Gesamtzustand unserer Zivilisation und hoffe, dass Sie als LeserIn nicht denken, dass der Zotter jetzt den Vogel weg hat. Aber reicht es nicht, dass wir hier im globalen Norden schon auf Kosten der Menschen „da unten“ leben, Rohstoffe und Arbeitskraft ausbeuten, als gebe es kein morgen? Nein, wir müssen die armen Leut' auch noch unsere Sachen kaputt machen lassen.

Es heißt ja immer, man kann die Welt als einzelner nicht ändern. Aber man muss auch nicht jeden Blödsinn mit machen. Ja, kein Supermarkt der Welt wird jetzt von heute auf morgen aufhören, ganzjährig Ananas aus Costa Rica anzubieten, nur weil 20 Leute es nicht mehr kaufen. Aber die Sachen, die nicht nur produziert, sondern auch noch gleich kaputt gemacht werden, die braucht man wirklich nicht zum Leben. Ersparen wir den armen Menschen da in Asien, Afrika und Südamerika wenigstens, dass sie Gemachtes auch noch gleich zerstören. Das Internet ist ja eh voll mit Do-it-yourself-Videos zu dem Thema..

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