Diese eine Sache weglassen

Kopfstände | 21. März 2017 | Georg Sander

Fastenzeit. Eigentlich 'was Altes, ein bisserl Komisches. Kindheitserinnerungen werden wach. Aschermittwoch. Jetzt, im Erwachsenenalter, wirkt es obsulet. Ist es aber nicht.

Die Idee, eine Zeit lang auf gewisse Dinge zu verzichten, gibt es interessanterweise ja in allen Weltreligionen, nicht nur im in Österreich dominierenden Katholizismus. Verzicht ist in den Religionen ein hohes Gut, moralisch erwünscht. Eine super Sache und so.

Aber, ganz ehrlich, wen interessiert das eigentlich? Religion ist ja was Altes, nichts, was man heute braucht und wenn man dem Thema, das mit dem Älterwerden peu à peu aus dem Leben verschwunden ist, begegnet, dann hat es zugegebenermaßen in den Nachrichten meistens mindestens mit Skurrilitäten zu tun, allzu oft mit Gräuel.

Dann ist also auch dieses Fasten ein Blödsinn.

Halt, stopp! Nein, ist es nicht. Gerade heutzutage, eine Zeit, in der ich mir eh immer alles kaufen kann, auch wenn ich das Geld nicht habe, ist das doch wichtig. Umgekehrt ist es enorm anstrengend. Weil warum sollte ICH gerade auf irgendwas verzichten?

Dafür gibt es aber gute Gründe. Die Religionen meinen, man soll weniger essen. Sicher keine blöde Idee, wenn ich an mit runter schau. Die grüne Bewegung schlägt Dinge wie Autofasten vor – ist ja gut für die Umwelt. Billiger eh auch. Wenn da nicht die Verlockung wäre, sich doch etwas Ungesundes, Fettiges und vermutlich nicht sehr nachhaltig Produziertes rein zu pfeifen. Oder das Radl zu mühsam.

Wer will schon auf was verzichten. Ich halt eher nicht!

Aber eigentlich macht es Sinn, vielleicht nach meinen Parametern. Ich kann ja an diesem einen Tag in der Woche wirklich mal das Auto stehen lassen. Oder den Saft ein paar Wochen zumindest mal im Kartonpackerl kaufen statt in der Plastikflasche. Lieber ein Gemüsepfandl statt das Schnitzel.

Eine Sache halt. Das müsste gehen.

Vielleicht geht das ja gut. Damit überfordere ich mich nicht. Ich habe dann keine Deadline wie Ostern oder das Zuckerfest, keinen Priester, Imam, Ernährungscoach, Umweltfanatiker oder sonst was. Ich bleibe Individuum, frei, unabhängig, selbstbestimmt. Und wer weiß...

...vielleicht wird ja aus dem einen autofreien Tag eine Woche, ich verzichte länger auf Plastik und auf Fleisch. Moment! Diese eine Sache, ja, mit der fang ich an!

Georg Sander

Über den Gastautor

Der ausgebildete Volksschullehrer und Journalist arbeitete und arbeitet seit sechs Jahren für verschiedene Medien. Das Soziale, Nachhaltigkeit und unsere Umwelt liegen ihm besonders am Herzen. Gedanken zu diesen und anderen Themen veröffentlicht er gerne unter @sander_georg auf Twitter.

Instagram

Facebook