Kein Bauchgefühl an öffentlichen Stellen

Josef Zotters Kopfstände | 03. Januar 2020 | Josef Zotter

Josef Zotter im Kakaobohnenlager

Die Menschen verlieren immer mehr das Vertrauen in die Politik. Kein Wunder, betreiben doch vor allem Regierungsparteien Postenschacher - ich im Prinzip auch.
 
Das betrifft vermutlich jeden. Man bringt sich hier unter, man bringt sich da unter. Ich als Unternehmer verlasse mich bei Einstellungsgesprächen auch auf mein Bauchgefühl. Wir sind kein Riesenunternehmen, die besten Noten und gute Referenzen heißen nicht notwendigerweise, dass dieser oder jener Mensch auch in mein Unternehmen passt. Es muss die Chemie sozusagen stimmen, das ist ja Postenschacher in der reinsten Form.

Meine Frau und ich haben das am Anfang alles selber gemacht. Ab 100 Mitarbeitern haben wir dann schon über eine Personalabteilung quasi Castings gemacht. Da gab es aber nicht so gute Erfahrungen, weswegen wir seit dem ca. 150. Mitarbeiter die finalen Gespräche wieder selber machen. Es gibt hier ein freundschaftliches Klima, wir sind ein Familienbetrieb, da ist der große Unterschied.

Natürlich ist eine gute Stimmung wichtig, arbeiten mit Freunden ist doch das beste, was passieren kann. Das steigert die Produktivität. Freilich wäre es gut, wenn das auch in Staatsbetrieben, am Amt oder in staatsnahen Betrieben so wäre. Und eigentlich ist es ja so, oder? Da gibt es aber nur ein Problem: Der Staat und staatsnahe Betriebe sind keine Unternehmer wie ich!

Da muss Transparenz her, sonst setzt der eine Lobbyist seinen Hawara in einen Betrieb, der letztlich ihnen und mir gehört und am Ende kommt dabei nicht unbedingt etwas Gutes heraus.

Weiters wünschen wir uns von der neuen Regierung logischerweise alle einen möglichst effizienten und gut wirtschaftenden Staat. Nur wenn es um beispielsweise Abfallbeseitigung oder Energie geht, dann gelten derartige Parameter ja nicht. Da geht es um die Grundbedürfnisse der Menschen, nicht um ein Unternehmen, das Stakeholder bedienen muss. Da muss ja auch kein Geld verdient werden, es reicht Kostendeckung, was für einen Unternehmer nicht lange gut geht.

Da sollten sich gerade staatliche und staatsnahe Betriebe lieber diese Form der Ineffizienz leisten und nicht die Freunderlwirtschaft blühen lassen. Wer außer einem Staatsbetrieb sollte sich bei Bewerbungsverfahren nicht etwas Ineffizienz leisten können?

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