"Ich muss mich nicht krampfhaft profilieren" – Julia Zotter im Kleine Zeitung Sommergespräch

Interview der Kleinen Zeitung, im Rahmen der Sommergespräche, erschienen in der Print-Ausgabe vom 9. August 2026, Text/Foto: Julia Schuster

Mit 1. März übernahm Julia Zotter die Schokoladen-Fabrik ihres Vaters Josef Zotter in Bergl bei Riegersburg. Über ihr Herzensprojekt in Shanghai, das Scheitern und große Fußstapfen.

"Ich habe nicht das Bedürfnis, zwei verschiedene Schuhe anzuziehen oder mir eine Glatze zu scheren."

– Julia Zotter über ihren Vater Josef Zotter

Frau Zotter, seit 1. März dieses Jahres sind Sie Geschäftsführerin von Zotter Schokolade. Was hat sich seither in Ihrem Leben verändert?
Julia Zotter: Es hat sich nicht so viel verändert, weil wir weiterhin zu viert im Unternehmen sind. Auch wenn man in den Ruhestand tritt, ist das kein Grund mit den Dingen aufzuhören, die man gerne macht. Was schon auffällt: Meine Eltern nehmen sich jetzt mehr Zeit. Sie haben Räder gekauft und Papa erlaubt sich endlich, einmal früher heimzugehen.

Setzt Sie das unter Druck, in so große Fußstapfen zu treten?
Bis jetzt eigentlich nicht ... Wir sind kein Start-up mehr, sondern ein Unternehmen mit 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, davon sind mittlerweile mehr als 100 länger als zehn Jahre bei uns. Darauf kann man bauen und wir haben viel Erfahrung im Team.

Es ist nicht selbstverständlich, dass die junge Generation das elterliche Unternehmen weiterführt. Haben Sie jemals überlegt, einen anderen Weg einzuschlagen?
Ich wollte Astronautin werden. Das war mein einziger ernsthafter Berufswunsch neben der Schokolade. Als wir mit der Schokolade begonnen haben, war ich um die zehn Jahre alt, seither ist das mein Leben. Als wir dann auf Bio und Fair umgestellt haben, war es sowieso das Coolste. Was meine Eltern immer gut gemacht haben: Sie haben uns einbezogen. Ich habe nicht das Gefühl, ich übernehme etwas, womit ich mich nicht wohlfühle.

Sie haben das Schokoladen-Theater in Shanghai aufgebaut. Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?
Erwartungen sind immer eine schwierige Geschichte ... Wir sind naiv nach China gegangen. Da hat die Welt auch noch ganz anders ausgeschaut. Wir haben das Glück, dass ich Zotter Shanghai mit Amy, meiner chinesischen Geschäftspartnerin, aufgebaut habe. Hätte es Corona nicht gegeben, wäre einiges leichter gewesen. All das, was wir aufgebaut haben, war wegen Corona irrelevant, weil wir sehr stark auf Besucher ausgerichtet sind. Wir ahben überlegt, wir wir neben dem Online-Shop noch zu Einkommen kommen. Alle unsere Pflanzen, unsere Maschinen, alles war tot. Aber Corona hat mich auch gerettet.

Inwiefern?
Wenn du selbst etwas aufbaust und dein ganzes Herzblut reinsteckst, merkst du erst, wie verdammt schwer es ist, loszulassen. Ich habe Schwierigkeiten gehabt, meine Kollegen Fehler machen zu lassen. Du bist im Glauben an die eigene Unfehlbarkeit und dass du selbst diejenige bist, die alles besser kann. Wegen Corona habe ich nicht mehr nach Shanghai reisen können. Meine Kollegen und Kolleginnen haben lernen müssen, ohne mich auszukommen. Ich blicke mit einem weinenden und einem lachenden Auge zurück, weil sie mich einerseits gar nicht so gebraucht haben, wie ich gedacht habe, und andererseits, weil ich total stolz bin, wie sich Zotter Shanghai entwickelt hat.

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Julia Zotter im eigenen Weingarten oberhalb der Schokoladenfabrik - photo credit: KLZ/Julia SchusterJulia Zotter im eigenen Weingarten oberhalb der Schokoladenfabrik - photo credit: KLZ/Julia Schuster