Artikel erschienenen im Wirtschaftsmagazin trend in der Print-Ausgabe vom 25. September 2026, sowie online am 12. Oktober. Autorin: Paula-Marie Pucker / Foto: Wolfgang Wolak
Seit wenigen Monaten führt Julia Zotter das steirische Schokoladenunternehmen. Wie die Übergabe gelungen ist und weshalb die neue Chefin bei der weltweiten Expansion vorsichtiger agieren will.
Die Fußstapfen, in die Julia Zotter tritt, sind nicht nur groß, sondern vor allem bunt. Ihr Vater, Schokoladenpionier Josef Zotter, hat mit seinen fair gehandelten und ungewöhnlichen Schokoladenkreationen – Stichwort „Hirn mit Ei“ – nicht nur eines der bekanntesten KMU des Landes aufgebaut, sondern mit seinen stets unterschiedlichen Schuhen und markanten Auftritten selbst zum Markenimage beigetragen. Nun hat sich der exzentrische Chocolatier in den Ruhestand verabschiedet. Tochter Julia hat vor wenigen Monaten die Geschäftsführung übernommen.
Die 38-jährige Zotter hat an der berühmten Pariser Cordon-Bleu-Akademie das Handwerk gelernt und ist seit Jahren im Betrieb aktiv – wie auch ihr Bruder Michael, der für die IT zuständig ist. Das Vorrücken in die erste Reihe sei daher ein reibungsloser Prozess gewesen. „Das Unternehmen ist bereits so, wie mein Bruder und ich es haben wollen“, erklärt die Konditormeisterin.
Aus dem Unternehmen verschwunden ist ihr Vater (noch) nicht. Täglich ist er im Betrieb anzutreffen, die Aufgaben seien aber klar: „Wir haben ein sehr, sehr gutes Arbeitsverhältnis und kommen uns gegenseitig nicht in der Quere. Es gibt zwischen uns nicht diesen Wettbewerbsgedanken, sich profilieren zu müssen.“
Profilieren müssen sich die Zotters in der österreichischen Schokoladenszene ohnehin nicht. Das steirische Unternehmen hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von über 40 Millionen Euro erzielt (plus 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Im oststeirischen Riegersburg werden jährlich rund 1.000 Tonnen Schokolade verarbeitet, und die Produktionsstätte besuchen fast 300.000 Interessierte – eines der Erfolgsrezepte der Familie.
Zotter müsse man verstehen, bevor man im Regal zu den Tafeln greift, erklärt die Jungchefin. Die eigensinnigen Geschmacksrichtungen, die ungewöhnlichen Verpackungen und die kreativen Namen widersprechen vielen klassischen Marketingregeln.
Im sogenannten Schokoladentheater in Bergl in der Gemeinde Riegersburg können die Besucher:innen deshalb den gesamten Herstellungsprozess erleben. „Wer bei uns im Schokoladentheater war, erinnert sich daran. Das ist unser stärkstes Tool.“ Das Ausflugsziel führt zu Stammkund:innen, so die Idee. Aufgrund der geografischen Lage – Bergl ist wahrlich kein Verkehrsknotenpunkt – wird besonders der regionale Markt bespielt. Wenig verwunderlich zeichnet sich dies in den Umsätzen ab: 70 Prozent des Umsatzes entfallen auf Österreich, 23 Prozent auf Deutschland.
International denkt das Unternehmen dennoch seit Langem. Neben dem Onlineshop vertreiben rund 4.000 Verkaufsstellen die Schokolade weltweit. Seit 2014 gibt es außerdem einen nicht produzierenden Standort im chinesischen Shanghai. Dass Julia Zotter den Aufbau in China geleitet und das chinesische Schokoladenmuseum jahrelang geführt hat, lag auf der Hand. Als Oberstufenschülerin verbrachte sie ein Jahr in China.
„Als wir in Shanghai begonnen haben, hat die Welt ganz anders ausgeschaut“, sagt Zotter heute über die China-Expansion. Das Geschäft liefe nach Schwierigkeiten während der Covid-Pandemie wieder stabil, große Wachstumssprünge werden aber keine folgen. Zotter bezeichnet das nicht als Rückschlag, sondern als strategische Notwendigkeit: „Als mittelständisches Unternehmen dürfen wir uns nicht zu sehr international aufstellen. Egal, wie solide das Business im Ausland ist, darauf verlassen darf man sich nicht.“
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