Julia ist in diesem Jahr nach Kolumbien gereist, um Kakaobauern in der Sierra Nevada de Santa Marta zu treffen, dem größten, höchstgelegenen Küstengebirge der Welt und das biodiverseste Gebiet der Erde. Dort leben die Arhuaco, ein indigenes Volk, das sein Leben an der spirituellen Verantwortung ausrichtet, das kosmische Gleichgewicht der Erde zu bewahren. Sie bezeichnen den Amazonas als die Lunge der Welt und ihr Heimatgebirge, die schneebedeckte Sierra Nevada de Santa Marta, als das physische und spirituelle Herz der Welt. Weil das Gebirge alle Klimazonen von der tropischen Küste bis zum ewigen Eis vereint, glauben die Arhuaco, dass das, was dort geschieht, direkte Auswirkungen auf den gesamten Planeten hat. Daher gibt es Gebiete, die für Besucher nicht zugänglich sind. Die traditionellen weißen Gewänder und die kegelförmigen Hüte symbolisieren die schneebedeckten, heiligen Gipfel der Berge sowie spirituelle Reinheit.
Männer tragen traditionell Muschelkalk in einem ausgehöhlten Flaschenkürbis mit sich, den sie mit Kokablättern kauen. Vor jedem Haus wachsen zwei oder drei Kokabüsche für den Eigengebrauch. Sie legen weite Wege zu Fuß zurück und sind oft mehrere Tage unterwegs, um an Versammlungen teilzunehmen. Da es kaum Handyempfang gibt, sind persönliche Treffen wichtig. Das Kauen der Kokablätter gibt ihnen die nötige Energie für die weiten Wegstrecken.
Die Kooperative Sociedad Seynekun wurde 2010 gegründet, hat in Pueblo Bello ihre Zentrale, und vereint aktuell 274 indigene Kakaoproduzenten. Auf durchschnittlich zwei Hektar großen Parzellen wird hochwertiger Edelkakao nach biologischen und Fairhandels-Standards angebaut. Der Kakao wird von den Plantagen abgeholt, zentral fermentiert und getrocknet. Sie beladen einen offenen LKW mit bis zu einer Tonne Kakao. Bei den schlechten Straßenverhältnissen ist das schon eine Herausforderung. Julia hatte Mühe, sich auf der Fahrt zu den Farmern auf der Ladefläche zu halten, unvorstellbar wie dann eine volle Ladung Kakao transportiert wird.
Neben Schulungen und regelmäßigen Zusammenkünften organisiert die Kooperative auch einen kleinen Markt, der einmal pro Woche beliefert wird und wo Kakao gegen andere Güter getauscht werden kann, wie z. B. Essen, Waschmittel oder Werkzeug.
In der Region wächst auch viel Zuckerrohr, das regional zu Mascobadozucker verarbeitet wird. Und so hat es auch nicht lang gedauert, bis aus dem Zuckersirup Rum hergestellt wurde, der bei Seynekun gebrannt wird.
„Nach der Kaffee- und Kakaoverkostung gab es für uns auch eine Kostprobe des eigenen Rums. Ein starker Tropfen mit 70% Alkohol, unverdünnt, aber köstlich. Meine Begleiter und ich haben nicht gewagt, etwas von der Probe überzulassen und der Rum zeigte schnell seine Wirkung“, so Julia.
„Wir haben auf unseren Kakaoreisen immer Schokoladen mit und so haben wir auch eine Schokoverkostung mit unseren Produkten gemacht. Es war ein sehr lustiger Abend, denn die Teilnehmer haben noch nie Schokolade gegessen und waren begeistert. Sie kennen meistens nur die reine Kakaomasse, aber keine süße Tafelschokolade. Es wurde sehr viel Schokolade gegessen, die Farmer haben einen wahren Zuckerschock bekommen. Wir hatten viel Spaß und so wurden wir eingeladen, bei unserem nächsten Besuch auch abgelegene, unzugängliche Regionen zu besuchen, in die sonst keine Besucher dürfen. Das ist eine große Ehre und wir freuen uns schon auf die nächste Reise 2028 nach Kolumbien, um dort für unseren nächsten Kinofilm zu drehen. Auf jeden Fall werden wir wieder Schokolade mitbringen!“ erzählt Julia begeistert von ihrer Kolumbienreise.