Daten sind das neue Öl

Josef Zotters Kopfstände | 15. Februar 2018 | Josef Zotter

Josef Zotter im Kakaobohnenlager

Neulich war ich auf einer Konferenz, bei der die Sprecher meinten, dass Daten das neue Öl wären. Konzerne zahlen Unsummen dafür, uns immer „besser“ kennen zu lernen.

Das „besser“ muss hier ja unter Anführungsstrichen stehen. Aber der Reihe nach. Konzerne wie Facebook, Amazon oder Google sammeln unglaublich viele Daten über uns. Bewusst – mit Postings, Bewegungsprofilen, Bildern – oder unbewusst – über das, was wir Suchen – hinterlassen wir unzählige Spuren im Internet. Die Datensammler werten diese aus, um uns „bessere“ Werbung oder Sachen, die „dich vielleicht interessieren“ zu zeigen. Mit den Daten wird auf lange Sicht viel Geld gemacht werden. Mehr vermutlich als mit dem nun langsam versiegenden Öl. Denn im Gegensatz zu Öl gibt es beinahe unendlich viele Daten.

Das ist per se natürlich nichts Schlechtes. Daten sind nicht böse, auch nicht, wenn wir sie hinterlassen. Wenn Sie sich beispielsweise über leckere Schoki, die man mit gutem Gewissen essen kann, informieren, werden Ihnen vielleicht, nunja, auch unsere angezeigt werden. Oder wenn Sie sich neu einrichten. Wenn Sie entsprechende Suchdaten hinterlassen, zeigen Ihnen die Konzerne vielleicht sogar super Angebote.

Fraglich ist, was passiert, wenn diese Daten – Big Data – genannt, in die falschen Hände geraten. Etwa, wenn sich der Staat so ansehen will, was wir tun. In Europa darf er das weitgehend nur, wenn Terroristen gesucht werden. Da haben wir vielleicht nix dagegen. In China aber werden Versuche gestartet, mittels eines Sozialkredit-Systems und via App, soziales Verhalten zu belohnen oder nicht. Also bitte nicht mehr im Auto den Vogel zeigen, wenn der Vordermann/frau zu langsam fährt.

Stellen Sie sich vor, wir leben dann vielleicht in einer Welt, in der Sie irgendwann mehr Geld für Versicherungen zahlen müssen, weil Sie sich übers Internet gerne Whiskey, Schokolade und Zigarren kaufen (zum Genuss freilich). Der Algorithmus, also das mathematische Berechnungssystem, errechnet dann, dass Sie ungesund leben – vielleicht zwar glücklicher – aber schon schnellen die Versicherungsbeiträge in die Höhe. Oder ein Konzern meint, Sie geben gerne viel Geld aus, weil Sie oft Luxusartikel googeln; egal, ob Sie sie dann kaufen oder nicht. Und schon werden Ihnen nicht mehr die Schnäppchen angeboten.

Ja, Daten sind das neue Öl. Da sollten wir alle ein Auge drauf haben …

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