Die Angestellten viel arbeiten lassen? Ja, aber ...

Josef Zotters Kopfstände | 02. März 2019 | Josef Zotter

Josef Zotter

Die Angestellten viel arbeiten lassen? Ja, aber ...

Jetzt gibt es seit einiger Zeit den 12-Stunden-Tag. Wer mich kennt, weiß, dass es nicht so falsch ist, wenn in Ausnahmezeiten mehr gearbeitet wird. Da gibt es aber ein großes Aber.

Bei Zotter arbeiten rund 200 Mitarbeiter und gut drei Viertel davon sind schon mehr als zehn Jahre im Betrieb, manche über 20 Jahre.  Das ist eine sehr gute Zahl, wie ich finde. Interessant ist vor allem, warum sie so lange hierbleiben: Sie machen es, weil sie sich wohl fühlen, weil ich jeden einzelnen wertschätze, denn es gibt im Leben auch mehr als "nur" Arbeiten.

Das ist auch etwas, was mich an der gesamten Diskussion so stört. Es wird immer über die geredet, die nichts arbeiten wollen, die keinen Job finden, die kein Deutsch sprechen. Was die Unternehmen den Angestellten aber bieten, dass sie gerne bei der Firma XY arbeiten, ist selten ein Thema.

Das ausgezahlte Gehalt ist dann vermutlich sogar zweitrangig. In unserer heutigen Welt wollen die allermeisten Menschen ja arbeiten. Und das sollen sie gerne machen, weil sie 'schenken' mir als Unternehmer ja auch einen großen Teil ihres Lebens…es geht nicht nur um Leistung. 

Hier sollte an Schräubchen gedreht werden. Es sollte sich jede Chefetage überlegen, wie sie die Arbeit ihrer Mitarbeiter höher wertschätzen können. Und wenn es 'nur' die sind, die um vier Uhr in der Früh die Zeitungen austragen. Das hat freilich auch einen Wert, weil dann können sich andere informieren. Ich weiß schon, dass das nicht der erstrebenswerteste Job der Welt ist.

Auch in meinem Unternehmen gibt es sicher Stellen, die ich lieber machen würde als andere, keine Frage. Aber im Grunde organisiere ich nichts, was ich nicht selbst auch tun würde. Ich denke, damit fängt die Wertschätzung an. Arbeit ist grundsätzlich "nicht lustig", aber man kann den Arbeitsplatz so lässig wie möglich gestalten. Beziehungsweise geht es sehr oft auch um sinnerfüllte Arbeit. Ich möchte keine Atombomben bauen "müssen" oder dabei sein. Da ist mir Hof kehren lieber.

Ich sehe als meine wichtigste Aufgabe im Unternehmen, Talente für die jeweiligen Bereiche zu finden. Wenn das gelingt geht die Arbeit von der Hand und die Qualität erreicht ungeahnte Höhen.

Ist es nicht so, dass vor allem im Bereich der hoch bezahlten Jobs viele Überstunden geschehen? Da geht die Wertschätzung offenbar über das Geld. Die Hochbezahlten Jobs sind oft deswegen so hochbezahlt, weil es wenige machen wollen und oft auch die Sinnhaftigkeit in Frage steht? Und deswegen hoch bezahlt werden muss. Wie im richtigen Leben Angebot und Nachfrage, nur in den Spiegel schauen muss man schon auch können.

Wir Wirtschaftstreibenden müssen einfach unsere Angestellten als Mitmenschen sehen. Niemand ist so viel mehr wert als der oder die andere. Und da geht es eben nicht notwendigerweise nur um Geld. Deswegen funktioniert es bei uns offenbar recht gut mit der Mitarbeiterzufriedenheit. Schoko essen so viel man will allein wird es nicht gewesen sein.

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